Katsushika Hokusai (1760–1849) zählt zu den herausragendsten Persönlichkeiten der japanischen Kunst der Edo-Zeit und gilt als einer der größten Meister der Druckgrafik überhaupt. Er zeichnete sich durch eine außergewöhnliche thematische Vielfalt, einen stetigen stilistischen Wandel und die Fähigkeit aus, technische Virtuosität mit einer tiefen Beobachtung der Natur und des menschlichen Lebens zu verbinden. Sein Werk umfasst Landschaftsdarstellungen, figürliche Kompositionen, Buchillustrationen und Genreszenen und gehört zu den Höhepunkten des japanischen Holzschnitts ukiyo-e.
Der bekannteste Teil seines Schaffens ist der Zyklus Sechsunddreißig Ansichten des Berges Fuji (Fugaku sanjūrokkei), zu dem auch die berühmte Große Welle vor Kanagawa gehört. In diesen Blättern verband Hokusai monumentale Landschaftsauffassung mit dramatischen Naturerscheinungen und einer kühnen Komposition und veränderte damit grundlegend das traditionelle Verständnis der Landschaftsdarstellung in Japan. Der Berg Fuji erscheint hier nicht nur als topografisches Motiv, sondern als symbolisches Zentrum der Welt, um das sich das alltägliche menschliche Leben entfaltet.
Hokusai war von außergewöhnlicher Produktivität und von einem unermüdlichen Streben nach neuen Ausdrucksformen geprägt. Im Laufe seines Lebens verwendete er zahlreiche Künstlernamen und wechselte wiederholt Stil und thematische Ausrichtung. Neben Landschaften widmete er sich der Darstellung von Handwerkern, Bauern, Schauspielern, Kurtisanen, mythologischen Gestalten und übernatürlichen Erscheinungen. Seine Blätter zeichnen sich durch eine dynamische Linienführung, ein starkes Gespür für den Rhythmus der Komposition und die Fähigkeit aus, Bewegung und Charakter mit minimalen Mitteln darzustellen.
Einen wesentlichen Bestandteil seines Vermächtnisses bilden auch seine Zeichenlehrbücher und Skizzenfolgen, insbesondere die Hokusai Manga, in denen er ein außerordentlich breites Spektrum an Motiven von alltäglichen Tätigkeiten bis hin zu fantastischen Szenen festhielt. Diese Zeichnungen beeinflussten die Ausbildung von Künstlern in Japan nachhaltig und wurden später auch in Europa intensiv rezipiert.
Hokusais Werk spielte eine zentrale Rolle bei der Entstehung des Japonismus und übte einen starken Einfluss auf die europäische Malerei des 19. Jahrhunderts aus. Claude Monet sammelte japanische Drucke und ließ sich in seiner Kompositionsweise und in der Darstellung von Licht und Atmosphäre deutlich von ihnen anregen. Vincent van Gogh übernahm aus Hokusais Arbeiten die expressive Linienführung und die flächige Farbgestaltung; einige seiner Gemälde stehen in direktem Bezug zu japanischen Vorbildern. Auch Edgar Degas und Henri de Toulouse-Lautrec adaptierten aus Hokusais Kunst diagonale Kompositionen und die ungewöhnlichen Bildausschnitte abseits der Mittelachse, die sie für die moderne Darstellung des Alltagslebens nutzten. Durch diese Rezeption trug Hokusai wesentlich zur Erneuerung der europäischen Bildsprache bei. Sein Werk steht exemplarisch innerhalb der Tradition der japanischen Holzschnitte ukiyo-e.
Seine Arbeiten sind heute in den bedeutendsten internationalen Sammlungen japanischer Kunst vertreten. Umfangreiche Bestände bewahren das The Metropolitan Museum of Art in New York und das British Museum in London. Bedeutende Kollektionen befinden sich außerdem in der Bibliothèque nationale de France in Paris. Für das deutsche Publikum ist besonders hervorzuheben, dass repräsentative Gruppen seiner Drucke in der Sammlung des Museum für Ostasiatische Kunst in Köln erhalten sind und weitere wichtige Blätter auch in den Beständen des Museum für Kunst und Gewerbe in Hamburg verwahrt werden.
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