Utagawa Kunisada (1786–1865), auch unter dem Namen Toyokuni III. bekannt, gehörte zu den produktivsten und einflussreichsten Künstlern des japanischen Holzschnitts der Edo-Zeit. Als führender Vertreter der Utagawa-Schule erreichte er bereits zu Lebzeiten außerordentliche Popularität, insbesondere mit Drucken zu Theater- und Genreszenen.

Kunisada wurde vor allem durch seine Schauspielerporträts des Kabuki-Theaters und durch Darstellungen populärer Bühnenstücke berühmt, die er in farbenprächtigen und stark dekorativen Kompositionen umsetzte. Seine Arbeiten zeichnen sich durch ein ausgeprägtes Gespür für dramatische Gestik, expressive Mimik und eine detailreiche Wiedergabe der Kostüme aus. Diese Merkmale prägten die späte Phase der Tradition des japanischen Holzschnitts ukiyo-e entscheidend.

Eine grundlegende wissenschaftliche Aufarbeitung von Kunisadas Werk stellt die Monografie Kunisada: Meister des späten japanischen Holzschnitts von der Kunsthistorikerin Helena Honcoopova dar, die erstmals eine umfassende Bewertung seines Schaffens im weiteren Kontext der japanischen Bild- und Theaterkultur des 19. Jahrhunderts vorlegte. Diese Publikation trug wesentlich dazu bei, Kunisadas Bedeutung innerhalb der Geschichte des ukiyo-e neu zu bewerten und ihn als zentralen Meister der Edo-Zeit zu etablieren.

Im Verlauf seiner langen Karriere schuf Kunisada mehrere tausend Entwürfe und formte damit nachhaltig das Erscheinungsbild der populären Druckgrafik seiner Epoche. Seine Triptychen und mehrteiligen Kompositionen gelten als Höhepunkte der Verbindung von bildender Kunst und Theaterwelt und zählen bis heute zu den begehrtesten Werken der japanischen Druckgrafik. Sein Werk steht exemplarisch innerhalb der japanischen Holzschnitttradition.

Seine Arbeiten sind heute in den wichtigsten internationalen Sammlungen japanischer Kunst vertreten. Bedeutende Bestände bewahren das The Metropolitan Museum of Art in New York und das British Museum in London. Für das deutsche Publikum ist besonders hervorzuheben, dass repräsentative Beispiele seiner Farbholzschnitte in der Sammlung des Museum für Ostasiatische Kunst in Köln sowie im Museum für Kunst und Gewerbe in Hamburg erhalten sind und dass auch die Sammlungen der Nationalgalerie Prag wichtige Werke aus seinem Umfeld bewahren.