Utagawa Toyokuni (1769–1825) gehörte zu den bedeutendsten japanischen Holzschnittkünstlern der Edo-Zeit und war eine zentrale Persönlichkeit der Utagawa-Schule. Berühmt wurde er vor allem als Meister des Genres yakusha-e, der Schauspielerporträts des Kabuki-Theaters, in denen er realistische Wiedergabe mit ausgeprägter theatralischer Stilisierung verband.

Toyokuni wirkte überwiegend in Edo und schuf im Verlauf seiner Karriere ein umfangreiches Werk, das die Entwicklung des Schauspielerporträts an der Wende vom 18. zum 19. Jahrhundert maßgeblich prägte. Im Gegensatz zu idealisierten Typendarstellungen konzentrierte er sich auf die Individualität der Darsteller, ihre charakteristischen Gesichtszüge, Gesten und mimischen Ausdrucksformen und machte damit die Welt des Kabuki einem breiten Publikum der städtischen Kultur zugänglich.

Seine Arbeiten zeichnen sich durch eine reiche Ausgestaltung der Kostüme, dynamische Körperhaltungen und dramatische Kompositionen aus, die die Energie der Theateraufführung widerspiegeln. Toyokunis Ansatz wurde zum Vorbild für nachfolgende Generationen von Künstlern der Utagawa-Schule, darunter Kunisada und Kuniyoshi, und legte die Grundlagen für die visuelle Form des Kabuki-Porträts im ukiyo-e. Sein Werk steht exemplarisch innerhalb der Welt der japanischen Holzschnitte.

Die Werke Utagawa Toyokunis sind heute in den wichtigsten internationalen Sammlungen japanischer Kunst vertreten, darunter im The Metropolitan Museum of Art in New York, im British Museum in London, im Museum of Fine Arts in Boston und im Tokyo National Museum. Für das deutsche Publikum ist besonders hervorzuheben, dass repräsentative Beispiele seiner Farbholzschnitte in der Sammlung des Museum für Ostasiatische Kunst in Köln sowie im Museum für Kunst und Gewerbe in Hamburg bewahrt werden.

Toyokuni gilt als einer der Hauptbegründer des eigenständigen Schauspielerporträts als künstlerisches Genre und als entscheidende Figur für die Ausbildung der Bildsprache des japanischen Holzschnitts im 19. Jahrhundert.