Beschreibung
Kunisada & Hiroshige – Winterszene aus der Genji-Erzählung
Originaler japanischer Holzschnitt
Autoren: Utagawa Kunisada (Toyokuni) – Figuren, Andō Hiroshige – Landschaft.
Originaltitel: Fūryū genji yuki no nagame.
Datierung: 1853.
Technik: farbholzschnitt.
Material: papier.
Format: vertikales ōban nishiki-e, triptychon (gesamtmaß 36,8 × 76,1 cm).
Beschreibung: der farbige japanische Holzschnitt in Form eines Triptychons zeigt eine Winterszene aus einer modernen Paraphrase des berühmten literarischen Werkes „Die Geschichte vom Prinzen Genji“. An seiner Entstehung waren zwei führende Meister der japanischen Grafik der Mitte des 19. Jahrhunderts beteiligt – Utagawa Kunisada, der die figürlichen Partien schuf, und Andō Hiroshige, der die weitläufige Landschaft gestaltete. Gemeinsam erreichten sie eine außergewöhnlich harmonische Verbindung von menschlicher Erzählung und lyrischer Winterlandschaft innerhalb der Tradition der japanischen Holzschnitte des ukiyo-e.
Im Vordergrund des Triptychons erscheinen Prinz Mitsuuji und seine Dame, gekleidet in reich verzierte Winterkimonos. Der Prinz trägt ein Gewand mit goldenem Bambusornament – einem traditionellen Symbol moralischer Standhaftigkeit und Noblesse –, während der weiße Schirm über seinem Kopf durch feinen Blinddruck hervorgehoben ist. Die Dame im dunklen Kimono hält einen geflochtenen Besen zum Schneeräumen; ihre Haltung ebenso wie die geneigte Kiefer im Hintergrund richtet sich sanft dem Prinzen zu.
Hiroshiges Landschaft, die sich über alle drei Blätter erstreckt, zeigt ein verschneites Dorf am Fluss mit Kiefern, einer Brücke und fernen Hügeln, über denen Vögel kreisen. Gedämpfte Farbigkeit, feine Tonabstufungen und die sensible Erfassung der winterlichen Atmosphäre schaffen einen ruhigen, beinahe meditativen Hintergrund, der mit der dekorativen Fülle der Figuren kontrastiert. Dieser Dialog zwischen Figur und Landschaft gehört zu den herausragenden Beispielen der Zusammenarbeit beider Künstler.
Das Triptychon zählt zur populären Serie moderner genji-e, in der Motive des klassischen Romans in das zeitgenössische Umfeld der Edo-Zeit übertragen wurden. Das Werk stellt somit nicht nur eine visuell eindrucksvolle Szene dar, sondern auch ein raffiniertes kulturelles Spiel mit literarischer Tradition, wie es für die klassische japanische Grafik des 19. Jahrhunderts charakteristisch ist, in der sich Vergangenheit und Gegenwart auf natürliche Weise durchdringen.
Text: © AtelierEdition
Bildquelle: © Národní galerie v Praze
Utagawa Hiroshige
Utagawa Hiroshige |Andō Hiroshige| (1797–1858), häufig als der letzte große Meister des traditionellen ukiyo-e bezeichnet, wurde vor allem durch seine lyrischen Landschaftsdarstellungen und seine meisterhafte Wiedergabe von Atmosphäre, Wetter und Licht berühmt. Seine Farbholzschnitte zeichnen sich durch feine Farbverläufe, eine poetische Kompositionsweise und ein ausgeprägtes Gespür für Details aus. Zu seinen bekanntesten Werkzyklen gehören Die dreiundfünfzig Stationen der Tōkaidō-Straße und Hundert berühmte Ansichten von Edo (Meisho Edo hyakkei).
Hiroshiges Kunst beeinflusste nicht nur die japanische Druckgrafik, sondern wirkte auch nachhaltig auf die europäische Malerei des 19. Jahrhunderts. Nach der Öffnung Japans gelangten seine Drucke nach Paris und wurden dort rasch zu einer wichtigen Inspirationsquelle für Künstler und Sammler. Vincent van Gogh schuf direkte Kopien nach Hiroshiges Holzschnitten und studierte intensiv seine Linienführung und Farbgebung. Claude Monet ließ sich von seinen Bildausschnitten und der Darstellung von Wetterstimmungen anregen. James McNeill Whistler übernahm aus Hiroshiges Werk die harmonische Farbigkeit und die asymmetrische Komposition.
Hiroshige spielte eine zentrale Rolle bei der Entstehung des Japonismus, einer Strömung, die die europäische Kunst des 19. Jahrhunderts grundlegend veränderte. Sein Werk gilt als Höhepunkt der Landschaftsdarstellung im ukiyo-e und verbindet technische Meisterschaft mit einer sensiblen Wahrnehmung der Natur und des flüchtigen Augenblicks. Es steht exemplarisch innerhalb der Tradition der japanischen Holzschnitte ukiyo-e.
Seine Arbeiten sind heute in den wichtigsten internationalen Sammlungen japanischer Kunst vertreten. Bedeutende Bestände bewahren das The Metropolitan Museum of Art in New York und das British Museum in London. Für das deutsche Publikum ist besonders hervorzuheben, dass eine repräsentative Auswahl seiner Farbholzschnitte in der Sammlung des Museum für Ostasiatische Kunst in Köln erhalten ist.
Utagawa Kunisada
Utagawa Kunisada (1786–1865), auch unter dem Namen Toyokuni III. bekannt, gehörte zu den produktivsten und einflussreichsten Künstlern des japanischen Holzschnitts der Edo-Zeit. Als führender Vertreter der Utagawa-Schule erreichte er bereits zu Lebzeiten außerordentliche Popularität, insbesondere mit Drucken zu Theater- und Genreszenen.
Kunisada wurde vor allem durch seine Schauspielerporträts des Kabuki-Theaters und durch Darstellungen populärer Bühnenstücke berühmt, die er in farbenprächtigen und stark dekorativen Kompositionen umsetzte. Seine Arbeiten zeichnen sich durch ein ausgeprägtes Gespür für dramatische Gestik, expressive Mimik und eine detailreiche Wiedergabe der Kostüme aus. Diese Merkmale prägten die späte Phase der Tradition des japanischen Holzschnitts ukiyo-e entscheidend.
Eine grundlegende wissenschaftliche Aufarbeitung von Kunisadas Werk stellt die Monografie Kunisada: Meister des späten japanischen Holzschnitts von der Kunsthistorikerin Helena Honcoopova dar, die erstmals eine umfassende Bewertung seines Schaffens im weiteren Kontext der japanischen Bild- und Theaterkultur des 19. Jahrhunderts vorlegte. Diese Publikation trug wesentlich dazu bei, Kunisadas Bedeutung innerhalb der Geschichte des ukiyo-e neu zu bewerten und ihn als zentralen Meister der Edo-Zeit zu etablieren.
Im Verlauf seiner langen Karriere schuf Kunisada mehrere tausend Entwürfe und formte damit nachhaltig das Erscheinungsbild der populären Druckgrafik seiner Epoche. Seine Triptychen und mehrteiligen Kompositionen gelten als Höhepunkte der Verbindung von bildender Kunst und Theaterwelt und zählen bis heute zu den begehrtesten Werken der japanischen Druckgrafik. Sein Werk steht exemplarisch innerhalb der japanischen Holzschnitttradition.
Seine Arbeiten sind heute in den wichtigsten internationalen Sammlungen japanischer Kunst vertreten. Bedeutende Bestände bewahren das The Metropolitan Museum of Art in New York und das British Museum in London. Für das deutsche Publikum ist besonders hervorzuheben, dass repräsentative Beispiele seiner Farbholzschnitte in der Sammlung des Museum für Ostasiatische Kunst in Köln sowie im Museum für Kunst und Gewerbe in Hamburg erhalten sind und dass auch die Sammlungen der Nationalgalerie Prag wichtige Werke aus seinem Umfeld bewahren.
Japanische Begriffe
Bijin-ga (美人画)
„Bilder schöner Frauen“ – Darstellungen von Kurtisanen, Geishas und dem Ideal weiblicher Schönheit.
Betonen Eleganz, Mode, Frisuren und die feine Psychologie der dargestellten Figuren.
Bokashi (ぼかし)
Technik des fließenden Farbverlaufs ohne harte Kanten.
Wird für Himmel, Wasser oder atmosphärische Effekte verwendet.
Diptychon
Zweiteiliges Blatt, das eine gemeinsame Bildkomposition bildet.
Häufig bei dramatischen Szenen und Schauspielerporträts.
Fūkei-ga (風景画)
Landschaftsholzschnitte mit Darstellungen von Natur, Städten und Reiserouten.
Ein Genre, das durch Meister wie Hiroshige und Hokusai berühmt wurde.
Hangi (版木)
Hölzerner Druckstock, in den das Bild eingeschnitten wird.
Für jede Farbe ist ein eigener hangi erforderlich.
Karazuri (空摺)
Blinddruck – Druck ohne Farbe zur Erzeugung eines Reliefs auf dem Papier.
Wird häufig bei luxuriösen Drucken und surimono eingesetzt.
Kabuki (歌舞伎)
Traditionelles japanisches Theater mit ausdrucksstarkem Spiel und stilisierten Kostümen.
Kabuki-Schauspieler gehörten zu den beliebtesten Motiven des ukiyo-e.
Kachō-ga (花鳥画)
Genre mit Darstellungen von Blumen und Vögeln, oft mit symbolischer Bedeutung.
Besonders beliebt im späten ukiyo-e und im modernen Holzschnitt.
Kento (見当)
Passmarken, die in den Druckstock geschnitten werden, um die Farben exakt auszurichten.
Sie gewährleisten die korrekte Überlagerung der einzelnen Druckplatten.
Meisho-e (名所絵)
Darstellungen berühmter Orte Japans – Tempel, Brücken und Landschaften.
Oft verbunden mit Reisen und saisonalen Motiven.
Nishiki-e (錦絵)
Mehrfarbiger japanischer Holzschnitt, gedruckt von mehreren Druckstöcken, von denen jeder eine Farbe trägt.
Diese Technik ermöglichte die reiche Farbigkeit und den Detailreichtum des klassischen ukiyo-e.
Ōban (大判)
Standardformat des Holzschnitts mit etwa 25 × 38 cm.
Wurde vor allem für Schauspielerporträts, Kurtisanen und Landschaften verwendet.
Ōban nishiki-e
Farbholzschnitt in der Technik des nishiki-e im Format Ōban.
Der verbreitetste Typ des klassischen japanischen Holzschnitts.
Sumizuri-e (墨摺絵)
Einfarbige Drucke, die ausschließlich mit schwarzer Tusche ausgeführt wurden.
Vorläufer der mehrfarbigen nishiki-e.
Surimono (摺物)
Luxuriöse, privat herausgegebene Holzschnitte für einen kleinen Kreis von Kennern.
Zeichnen sich durch feinen Druck, Blindprägung und kostbare Pigmente aus.
Triptychon
Komposition aus drei einzelnen Drucken, die zusammen ein Bild ergeben.
Wurde für Schlachten, Feste und großformatige erzählerische Szenen verwendet.
Ukiyo (浮世)
„Vergängliche Welt“ der städtischen Vergnügungen, Theater und Genüsse der Edo-Zeit.
Philosophische Grundlage, aus der das ukiyo-e hervorging.
Ukiyo-e (浮世絵)
„Bilder der vergänglichen Welt“ – japanische Holzschnitte der Edo- und Meiji-Zeit mit Darstellungen schöner Frauen, Kabuki-Schauspieler, Landschaften und des Alltagslebens.
Ukiyo-e prägte die visuelle Kultur Japans und beeinflusste maßgeblich die europäische Kunst des 19. Jahrhunderts.
Washi (和紙)
Traditionelles japanisches handgeschöpftes Papier aus Maulbeerfasern.
Es zeichnet sich durch Festigkeit, Elastizität und lange Haltbarkeit aus.
Yakusha-e (役者絵)
Holzschnitte mit Darstellungen von Kabuki-Schauspielern in ihren berühmten Rollen.
Sie fungierten als Theaterporträts und visuelle Werbung für die Schauspieler.