Beschreibung
Sakai Hōitsu – Pflaumenblütenpaar 2
Originaler japanischer Holzschnitt
Autor: Sakai Hōitsu (酒井 抱一, 1761–1828).
Originaltitel: Baika-zu (梅花図) „Bild der Pflaumenblüten“ / „Blühender Pflaumenbaum“.
Erstellt/veröffentlicht: 1817.
Technik: farbholzschnitt auf seide.
Format: 42 × 31 cm.
Beschreibung: das Blatt „Pflaumenblütenpaar“ (Baika-zu), die zweite Hälfte des Diptychons, bildet das natürliche Gegenstück zum ersten Blatt und vollendet den bildnerischen Bogen, den Sakai Hōitsu als harmonisches Ganzes innerhalb der Tradition des japanischen Holzschnitts konzipierte. Wie sein Pendant ist auch dieses Werk auf Seide gedruckt und zeichnet sich durch außergewöhnliche Feinheit der Zeichnung sowie eine kultivierte dekorative Auffassung aus, die für die späte Phase der Rinpa-Schule typisch ist.
Die Komposition konzentriert sich auf den Stamm des Pflaumenbaumes und sanft geneigte Zweige mit kleinen weißen Blüten, die sich in den leeren Raum des goldfarbenen Hintergrundes ausbreiten. Der kräftige, dunkel modellierte Stamm kontrastiert mit der Zartheit der Blüten und der dünnen Zweige, wodurch Hōitsu erneut eine Spannung zwischen Stärke und Feinheit, Stabilität und Vergänglichkeit erzeugt. Der Rhythmus der Zweige wirkt hier ruhiger und geschlossener, als visuelle Antwort auf die Bewegung des ersten Teils des Diptychons.
Der goldene Grund und die großzügig angelegte freie Fläche spielen eine zentrale Rolle in der Gesamtwirkung des Werkes. Die Leere ist hier keine Abwesenheit, sondern aktiver Träger von Stille und meditativer Atmosphäre, die es dem Motiv des Pflaumenbaumes als Symbol für Ausdauer, Erneuerung und Hoffnung auf den Frühling ermöglicht, voll zur Geltung zu kommen.
Wie das erste Blatt ist auch diese Hälfte des Diptychons eine bewusste Hommage an Ogata Kōrin und seine berühmte Komposition „Kōhaku baizu“ (紅白梅図). Sakai Hōitsu entwickelt die Rinpa-Tradition hier jedoch in einer ruhigeren, lyrischen Haltung weiter, in der dramatischer Kontrast durch feine tonale Ausgewogenheit und einen fließenden Dialog beider Bilder ersetzt wird.
In Verbindung mit der ersten Hälfte bildet dieses Blatt ein geschlossenes, kontemplatives Ganzes, das zu den reinsten Beispielen von Hōitsus spätem Stil zählt. Das Diptychon „Baika-zu“ stellt somit nicht nur eine formale Reverenz an die Vergangenheit dar, sondern auch eine persönliche Interpretation des rinpahaften Ideals von Harmonie zwischen Natur, Raum und dem stillen Fluss der Zeit.
Text: © AtelierEdition
Bildquelle: © Národní Galerie v Praze
Sakai Hōitsu
Sakai Hōitsu (1761–1828) war ein bedeutender japanischer Maler und Kalligraf der Edo-Zeit, eine zentrale Persönlichkeit der Rinpa-Schule und einer ihrer wichtigsten Erneuerer an der Wende vom 18. zum 19. Jahrhundert. Er wirkte überwiegend in Edo und entstammte einer aristokratischen Samurai-Familie, was ihm eine umfassende Bildung in klassischer Literatur, Dichtung und bildender Kunst ermöglichte.
Hōitsu bekannte sich bewusst zum Erbe der älteren Meister der Rinpa-Schule, insbesondere zu Ogata Kōrin, dessen Werk er nicht nur studierte, sondern auch systematisch verbreitete und interpretierte. Er trug wesentlich zur Bewahrung und Popularisierung von Kōrins Vermächtnis bei, unter anderem durch die Herausgabe illustrierter Alben und durch Gemälde, die sich an dessen Kompositionen orientierten. Zugleich entwickelte er einen eigenständigen Stil, der sich durch eine feinere Linienführung, lyrische Sensibilität und eine kultivierte Farbigkeit auszeichnet.
Typische Motive von Hōitsus Kunst sind Blumen, Pflanzen, Vögel und saisonale Naturthemen, die im Geist dekorativer Eleganz und eines durchdachten Flächenrhythmus gestaltet sind. Seine Arbeiten zeichnen sich durch einen sensiblen Umgang mit leerem Raum, durch den feinen Einsatz von Gold- und Silbergrund sowie durch die Fähigkeit aus, die Vergänglichkeit der Jahreszeiten in scheinbar einfachen Kompositionen auszudrücken. Einen bedeutenden Teil seines Œuvres bilden außerdem Stellschirme und Hängerollen.
Sakai Hōitsu spielte eine entscheidende Rolle bei der Weitergabe der Ästhetik der Rinpa-Schule in der späten Edo-Zeit und beeinflusste nachfolgende Künstlergenerationen nachhaltig. Seine Werke sind heute in führenden internationalen Sammlungen japanischer Kunst vertreten, darunter im Tokyo National Museum, im The Metropolitan Museum of Art in New York, im British Museum in London, in der Freer Gallery of Art in Washington und im Museum of Fine Arts in Boston. Für das deutsche Publikum ist besonders hervorzuheben, dass Werke der Rinpa-Tradition und Beispiele der Kunst seiner Epoche in der Sammlung des Museum für Ostasiatische Kunst in Köln sowie im Museum für Asiatische Kunst in Berlin bewahrt werden. Sein Werk steht exemplarisch innerhalb der Tradition des ukiyo-e.
Sakai Hōitsu gilt heute als Meister der harmonischen Verbindung von dekorativer Schönheit, Poesie und einem tiefen Naturverständnis.
Japanische Begriffe
Bijin-ga (美人画)
„Bilder schöner Frauen“ – Darstellungen von Kurtisanen, Geishas und dem Ideal weiblicher Schönheit.
Betonen Eleganz, Mode, Frisuren und die feine Psychologie der dargestellten Figuren.
Bokashi (ぼかし)
Technik des fließenden Farbverlaufs ohne harte Kanten.
Wird für Himmel, Wasser oder atmosphärische Effekte verwendet.
Diptychon
Zweiteiliges Blatt, das eine gemeinsame Bildkomposition bildet.
Häufig bei dramatischen Szenen und Schauspielerporträts.
Fūkei-ga (風景画)
Landschaftsholzschnitte mit Darstellungen von Natur, Städten und Reiserouten.
Ein Genre, das durch Meister wie Hiroshige und Hokusai berühmt wurde.
Hangi (版木)
Hölzerner Druckstock, in den das Bild eingeschnitten wird.
Für jede Farbe ist ein eigener hangi erforderlich.
Karazuri (空摺)
Blinddruck – Druck ohne Farbe zur Erzeugung eines Reliefs auf dem Papier.
Wird häufig bei luxuriösen Drucken und surimono eingesetzt.
Kabuki (歌舞伎)
Traditionelles japanisches Theater mit ausdrucksstarkem Spiel und stilisierten Kostümen.
Kabuki-Schauspieler gehörten zu den beliebtesten Motiven des ukiyo-e.
Kachō-ga (花鳥画)
Genre mit Darstellungen von Blumen und Vögeln, oft mit symbolischer Bedeutung.
Besonders beliebt im späten ukiyo-e und im modernen Holzschnitt.
Kento (見当)
Passmarken, die in den Druckstock geschnitten werden, um die Farben exakt auszurichten.
Sie gewährleisten die korrekte Überlagerung der einzelnen Druckplatten.
Meisho-e (名所絵)
Darstellungen berühmter Orte Japans – Tempel, Brücken und Landschaften.
Oft verbunden mit Reisen und saisonalen Motiven.
Nishiki-e (錦絵)
Mehrfarbiger japanischer Holzschnitt, gedruckt von mehreren Druckstöcken, von denen jeder eine Farbe trägt.
Diese Technik ermöglichte die reiche Farbigkeit und den Detailreichtum des klassischen ukiyo-e.
Ōban (大判)
Standardformat des Holzschnitts mit etwa 25 × 38 cm.
Wurde vor allem für Schauspielerporträts, Kurtisanen und Landschaften verwendet.
Ōban nishiki-e
Farbholzschnitt in der Technik des nishiki-e im Format Ōban.
Der verbreitetste Typ des klassischen japanischen Holzschnitts.
Sumizuri-e (墨摺絵)
Einfarbige Drucke, die ausschließlich mit schwarzer Tusche ausgeführt wurden.
Vorläufer der mehrfarbigen nishiki-e.
Surimono (摺物)
Luxuriöse, privat herausgegebene Holzschnitte für einen kleinen Kreis von Kennern.
Zeichnen sich durch feinen Druck, Blindprägung und kostbare Pigmente aus.
Triptychon
Komposition aus drei einzelnen Drucken, die zusammen ein Bild ergeben.
Wurde für Schlachten, Feste und großformatige erzählerische Szenen verwendet.
Ukiyo (浮世)
„Vergängliche Welt“ der städtischen Vergnügungen, Theater und Genüsse der Edo-Zeit.
Philosophische Grundlage, aus der das ukiyo-e hervorging.
Ukiyo-e (浮世絵)
„Bilder der vergänglichen Welt“ – japanische Holzschnitte der Edo- und Meiji-Zeit mit Darstellungen schöner Frauen, Kabuki-Schauspieler, Landschaften und des Alltagslebens.
Ukiyo-e prägte die visuelle Kultur Japans und beeinflusste maßgeblich die europäische Kunst des 19. Jahrhunderts.
Washi (和紙)
Traditionelles japanisches handgeschöpftes Papier aus Maulbeerfasern.
Es zeichnet sich durch Festigkeit, Elastizität und lange Haltbarkeit aus.
Yakusha-e (役者絵)
Holzschnitte mit Darstellungen von Kabuki-Schauspielern in ihren berühmten Rollen.
Sie fungierten als Theaterporträts und visuelle Werbung für die Schauspieler.