Beschreibung
Utagawa Hiroshige – Der Fluss Tone in Kōnodai
Originaler japanischer Holzschnitt
Künstler: Utagawa (Andō) Hiroshige (1797–1858).
Originaltitel: Kōnodai tonegawa.
Entstehung: 1858, Edo (Tokio).
Technik: Farbholzschnitt.
Format des Originals: oban nishikie (35,8 × 24,6 cm).
Beschreibung: Der Holzschnitt zeigt den breiten Lauf des Flusses Tone in der Gegend von Kōnodai, von wo sich ein weiter Blick über die Flusslandschaft bis zur Silhouette des Berges Fuji am Horizont eröffnet. Die Komposition ist von einem erhöhten Standpunkt zwischen Hängen aus angelegt, die im Vordergrund den Blick in den offenen Raum des Flusses und der Niederungen rahmen.
Auf der Wasserfläche bewegen sich ruhig Segelboote, deren weiße Segel einen rhythmischen Kontrast zum dunkleren Blau des Wassers bilden. Flussarme, Inseln und entfernte Ufer sind mit feiner topografischer Genauigkeit dargestellt, während die Farbverläufe des Himmels auf die Stimmung des frühen Morgens oder des späten Nachmittags hindeuten. Der Fuji in der Ferne wirkt ruhig und ausgeglichen – als beständiger Orientierungspunkt in einer sich wandelnden Landschaft.
Der Druck gehört zu Hiroshiges später Landschaftsproduktion aus den späten 1850er Jahren, als er sich auf lyrische Ansichten von Flussläufen, Wegen und offenen Landschaften konzentrierte. Der Fluss Tone war eine der bedeutendsten Wasserstraßen Japans und ein häufiges Motiv in der Landschaftsdarstellung. Das Werk zeigt die meisterhafte Beherrschung des Farbholzschnitts im vertikalen oban nishikie und gehört zur Tradition der japanischen Holzschnittkunst ukiyo-e.
Text: © AtelierEdition
Bildquelle: © Library of Congress
Utagawa Hiroshige
Utagawa Hiroshige |Andō Hiroshige| (1797–1858), häufig als der letzte große Meister des traditionellen ukiyo-e bezeichnet, wurde vor allem durch seine lyrischen Landschaftsdarstellungen und seine meisterhafte Wiedergabe von Atmosphäre, Wetter und Licht berühmt. Seine Farbholzschnitte zeichnen sich durch feine Farbverläufe, eine poetische Kompositionsweise und ein ausgeprägtes Gespür für Details aus. Zu seinen bekanntesten Werkzyklen gehören Die dreiundfünfzig Stationen der Tōkaidō-Straße und Hundert berühmte Ansichten von Edo (Meisho Edo hyakkei).
Hiroshiges Kunst beeinflusste nicht nur die japanische Druckgrafik, sondern wirkte auch nachhaltig auf die europäische Malerei des 19. Jahrhunderts. Nach der Öffnung Japans gelangten seine Drucke nach Paris und wurden dort rasch zu einer wichtigen Inspirationsquelle für Künstler und Sammler. Vincent van Gogh schuf direkte Kopien nach Hiroshiges Holzschnitten und studierte intensiv seine Linienführung und Farbgebung. Claude Monet ließ sich von seinen Bildausschnitten und der Darstellung von Wetterstimmungen anregen. James McNeill Whistler übernahm aus Hiroshiges Werk die harmonische Farbigkeit und die asymmetrische Komposition.
Hiroshige spielte eine zentrale Rolle bei der Entstehung des Japonismus, einer Strömung, die die europäische Kunst des 19. Jahrhunderts grundlegend veränderte. Sein Werk gilt als Höhepunkt der Landschaftsdarstellung im ukiyo-e und verbindet technische Meisterschaft mit einer sensiblen Wahrnehmung der Natur und des flüchtigen Augenblicks. Es steht exemplarisch innerhalb der Tradition der japanischen Holzschnitte ukiyo-e.
Seine Arbeiten sind heute in den wichtigsten internationalen Sammlungen japanischer Kunst vertreten. Bedeutende Bestände bewahren das The Metropolitan Museum of Art in New York und das British Museum in London. Für das deutsche Publikum ist besonders hervorzuheben, dass eine repräsentative Auswahl seiner Farbholzschnitte in der Sammlung des Museum für Ostasiatische Kunst in Köln erhalten ist.
Japanische Begriffe
Bijin-ga (美人画)
„Bilder schöner Frauen“ – Darstellungen von Kurtisanen, Geishas und dem Ideal weiblicher Schönheit.
Betonen Eleganz, Mode, Frisuren und die feine Psychologie der dargestellten Figuren.
Bokashi (ぼかし)
Technik des fließenden Farbverlaufs ohne harte Kanten.
Wird für Himmel, Wasser oder atmosphärische Effekte verwendet.
Diptychon
Zweiteiliges Blatt, das eine gemeinsame Bildkomposition bildet.
Häufig bei dramatischen Szenen und Schauspielerporträts.
Fūkei-ga (風景画)
Landschaftsholzschnitte mit Darstellungen von Natur, Städten und Reiserouten.
Ein Genre, das durch Meister wie Hiroshige und Hokusai berühmt wurde.
Hangi (版木)
Hölzerner Druckstock, in den das Bild eingeschnitten wird.
Für jede Farbe ist ein eigener hangi erforderlich.
Karazuri (空摺)
Blinddruck – Druck ohne Farbe zur Erzeugung eines Reliefs auf dem Papier.
Wird häufig bei luxuriösen Drucken und surimono eingesetzt.
Kabuki (歌舞伎)
Traditionelles japanisches Theater mit ausdrucksstarkem Spiel und stilisierten Kostümen.
Kabuki-Schauspieler gehörten zu den beliebtesten Motiven des ukiyo-e.
Kachō-ga (花鳥画)
Genre mit Darstellungen von Blumen und Vögeln, oft mit symbolischer Bedeutung.
Besonders beliebt im späten ukiyo-e und im modernen Holzschnitt.
Kento (見当)
Passmarken, die in den Druckstock geschnitten werden, um die Farben exakt auszurichten.
Sie gewährleisten die korrekte Überlagerung der einzelnen Druckplatten.
Meisho-e (名所絵)
Darstellungen berühmter Orte Japans – Tempel, Brücken und Landschaften.
Oft verbunden mit Reisen und saisonalen Motiven.
Nishiki-e (錦絵)
Mehrfarbiger japanischer Holzschnitt, gedruckt von mehreren Druckstöcken, von denen jeder eine Farbe trägt.
Diese Technik ermöglichte die reiche Farbigkeit und den Detailreichtum des klassischen ukiyo-e.
Ōban (大判)
Standardformat des Holzschnitts mit etwa 25 × 38 cm.
Wurde vor allem für Schauspielerporträts, Kurtisanen und Landschaften verwendet.
Ōban nishiki-e
Farbholzschnitt in der Technik des nishiki-e im Format Ōban.
Der verbreitetste Typ des klassischen japanischen Holzschnitts.
Sumizuri-e (墨摺絵)
Einfarbige Drucke, die ausschließlich mit schwarzer Tusche ausgeführt wurden.
Vorläufer der mehrfarbigen nishiki-e.
Surimono (摺物)
Luxuriöse, privat herausgegebene Holzschnitte für einen kleinen Kreis von Kennern.
Zeichnen sich durch feinen Druck, Blindprägung und kostbare Pigmente aus.
Triptychon
Komposition aus drei einzelnen Drucken, die zusammen ein Bild ergeben.
Wurde für Schlachten, Feste und großformatige erzählerische Szenen verwendet.
Ukiyo (浮世)
„Vergängliche Welt“ der städtischen Vergnügungen, Theater und Genüsse der Edo-Zeit.
Philosophische Grundlage, aus der das ukiyo-e hervorging.
Ukiyo-e (浮世絵)
„Bilder der vergänglichen Welt“ – japanische Holzschnitte der Edo- und Meiji-Zeit mit Darstellungen schöner Frauen, Kabuki-Schauspieler, Landschaften und des Alltagslebens.
Ukiyo-e prägte die visuelle Kultur Japans und beeinflusste maßgeblich die europäische Kunst des 19. Jahrhunderts.
Washi (和紙)
Traditionelles japanisches handgeschöpftes Papier aus Maulbeerfasern.
Es zeichnet sich durch Festigkeit, Elastizität und lange Haltbarkeit aus.
Yakusha-e (役者絵)
Holzschnitte mit Darstellungen von Kabuki-Schauspielern in ihren berühmten Rollen.
Sie fungierten als Theaterporträts und visuelle Werbung für die Schauspieler.