Beschreibung
Utagawa Kunisada – Der Schwertschmied
Originaler japanischer Holzschnitt
Autor: Utagawa Kunisada (Toyokuni III, 1823–1880).
Titel: Sanjō Kokaji no manebigoto zu (Szene aus dem Nō-Spiel über den Schwertschmied Sanjō Kokaji).
Erstellt/veröffentlicht: zwischen 1848–1854.
Technik: farbholzschnitt.
Format: triptychon, 3 × vertikales ōban nishiki-e: 34,8 × 23,5 cm; 35 × 24,7 cm; 34,8 × 23,9 cm.
Beschreibung: der farbige japanische Holzschnitt in Form eines Triptychons zeigt eine dramatische Szene aus dem berühmten Nō-Spiel Sanjō Kokaji, dessen Thema der legendäre Schwertschmied Sanjō Kokaji ist. Utagawa Kunisada entfaltet hier eine stark theatralische Komposition, in der sich die menschliche und die übernatürliche Welt durchdringen – ein Motiv, das für die Bühnenkunst der Edo-Zeit charakteristisch ist. Die Figuren sind über drei Blätter verteilt, sodass das Gesamtbild wie eine einzige Bühne wirkt, auf der sich ein entscheidender Moment der Handlung abspielt, eingebettet in die Tradition der japanischen Holzschnitte des ukiyo-e.
Im Zentrum steht Sanjō Kokaji, dargestellt im Augenblick ritueller Arbeit bei der Herstellung eines heiligen Schwertes, während zu beiden Seiten weitere Akteure in reich dekorierten Kostümen erscheinen. Die ausgeprägte Stilisierung der Gesichter, dramatische Gesten und dynamische Haltungen verweisen deutlich auf die Welt des Kabuki- und Nō-Theaters, aus der ein großer Teil der erzählerischen Holzschnitte des ukiyo-e seine Inspiration bezog.
Kunisada widmet den Details der Gewänder und Stoffmuster besondere Aufmerksamkeit, die mit typischer Farbintensität und ornamentaler Fülle ausgeführt sind. Wiederkehrende Motive auf den Kimonos, der Kontrast zwischen dunklen und hellen Flächen sowie der Rhythmus diagonaler Linien von Schwertern und Werkzeugen verstärken die dramatische Spannung der Szene. Jedes Blatt des Triptychons funktioniert für sich, ist jedoch vollständig in die Gesamtkomposition eingebunden.
Das Werk entstand in der Hochphase von Kunisadas Schaffen, als er zu den gefragtesten Künstlern von Theaterdrucken zählte. Triptychen mit Themen aus Bühnenstücken gehörten zu den beliebtesten Formen populärer Grafik jener Zeit und dienten nicht nur als Kunstwerke, sondern auch als visuelle Erinnerung an konkrete Inszenierungen und schauspielerische Leistungen. Dieses Blatt stellt somit ein wertvolles Zeugnis der Verbindung von bildender Kunst und Theaterkultur im Japan des 19. Jahrhunderts dar.
Text: © AtelierEdition
Bildquelle: © The Metropolitan Museum of Art
Utagawa Kunisada
Utagawa Kunisada (1786–1865), auch unter dem Namen Toyokuni III. bekannt, gehörte zu den produktivsten und einflussreichsten Künstlern des japanischen Holzschnitts der Edo-Zeit. Als führender Vertreter der Utagawa-Schule erreichte er bereits zu Lebzeiten außerordentliche Popularität, insbesondere mit Drucken zu Theater- und Genreszenen.
Kunisada wurde vor allem durch seine Schauspielerporträts des Kabuki-Theaters und durch Darstellungen populärer Bühnenstücke berühmt, die er in farbenprächtigen und stark dekorativen Kompositionen umsetzte. Seine Arbeiten zeichnen sich durch ein ausgeprägtes Gespür für dramatische Gestik, expressive Mimik und eine detailreiche Wiedergabe der Kostüme aus. Diese Merkmale prägten die späte Phase der Tradition des japanischen Holzschnitts ukiyo-e entscheidend.
Eine grundlegende wissenschaftliche Aufarbeitung von Kunisadas Werk stellt die Monografie Kunisada: Meister des späten japanischen Holzschnitts von der Kunsthistorikerin Helena Honcoopova dar, die erstmals eine umfassende Bewertung seines Schaffens im weiteren Kontext der japanischen Bild- und Theaterkultur des 19. Jahrhunderts vorlegte. Diese Publikation trug wesentlich dazu bei, Kunisadas Bedeutung innerhalb der Geschichte des ukiyo-e neu zu bewerten und ihn als zentralen Meister der Edo-Zeit zu etablieren.
Im Verlauf seiner langen Karriere schuf Kunisada mehrere tausend Entwürfe und formte damit nachhaltig das Erscheinungsbild der populären Druckgrafik seiner Epoche. Seine Triptychen und mehrteiligen Kompositionen gelten als Höhepunkte der Verbindung von bildender Kunst und Theaterwelt und zählen bis heute zu den begehrtesten Werken der japanischen Druckgrafik. Sein Werk steht exemplarisch innerhalb der japanischen Holzschnitttradition.
Seine Arbeiten sind heute in den wichtigsten internationalen Sammlungen japanischer Kunst vertreten. Bedeutende Bestände bewahren das The Metropolitan Museum of Art in New York und das British Museum in London. Für das deutsche Publikum ist besonders hervorzuheben, dass repräsentative Beispiele seiner Farbholzschnitte in der Sammlung des Museum für Ostasiatische Kunst in Köln sowie im Museum für Kunst und Gewerbe in Hamburg erhalten sind und dass auch die Sammlungen der Nationalgalerie Prag wichtige Werke aus seinem Umfeld bewahren.
Japanische Begriffe
Bijin-ga (美人画)
„Bilder schöner Frauen“ – Darstellungen von Kurtisanen, Geishas und dem Ideal weiblicher Schönheit.
Betonen Eleganz, Mode, Frisuren und die feine Psychologie der dargestellten Figuren.
Bokashi (ぼかし)
Technik des fließenden Farbverlaufs ohne harte Kanten.
Wird für Himmel, Wasser oder atmosphärische Effekte verwendet.
Diptychon
Zweiteiliges Blatt, das eine gemeinsame Bildkomposition bildet.
Häufig bei dramatischen Szenen und Schauspielerporträts.
Fūkei-ga (風景画)
Landschaftsholzschnitte mit Darstellungen von Natur, Städten und Reiserouten.
Ein Genre, das durch Meister wie Hiroshige und Hokusai berühmt wurde.
Hangi (版木)
Hölzerner Druckstock, in den das Bild eingeschnitten wird.
Für jede Farbe ist ein eigener hangi erforderlich.
Karazuri (空摺)
Blinddruck – Druck ohne Farbe zur Erzeugung eines Reliefs auf dem Papier.
Wird häufig bei luxuriösen Drucken und surimono eingesetzt.
Kabuki (歌舞伎)
Traditionelles japanisches Theater mit ausdrucksstarkem Spiel und stilisierten Kostümen.
Kabuki-Schauspieler gehörten zu den beliebtesten Motiven des ukiyo-e.
Kachō-ga (花鳥画)
Genre mit Darstellungen von Blumen und Vögeln, oft mit symbolischer Bedeutung.
Besonders beliebt im späten ukiyo-e und im modernen Holzschnitt.
Kento (見当)
Passmarken, die in den Druckstock geschnitten werden, um die Farben exakt auszurichten.
Sie gewährleisten die korrekte Überlagerung der einzelnen Druckplatten.
Meisho-e (名所絵)
Darstellungen berühmter Orte Japans – Tempel, Brücken und Landschaften.
Oft verbunden mit Reisen und saisonalen Motiven.
Nishiki-e (錦絵)
Mehrfarbiger japanischer Holzschnitt, gedruckt von mehreren Druckstöcken, von denen jeder eine Farbe trägt.
Diese Technik ermöglichte die reiche Farbigkeit und den Detailreichtum des klassischen ukiyo-e.
Ōban (大判)
Standardformat des Holzschnitts mit etwa 25 × 38 cm.
Wurde vor allem für Schauspielerporträts, Kurtisanen und Landschaften verwendet.
Ōban nishiki-e
Farbholzschnitt in der Technik des nishiki-e im Format Ōban.
Der verbreitetste Typ des klassischen japanischen Holzschnitts.
Sumizuri-e (墨摺絵)
Einfarbige Drucke, die ausschließlich mit schwarzer Tusche ausgeführt wurden.
Vorläufer der mehrfarbigen nishiki-e.
Surimono (摺物)
Luxuriöse, privat herausgegebene Holzschnitte für einen kleinen Kreis von Kennern.
Zeichnen sich durch feinen Druck, Blindprägung und kostbare Pigmente aus.
Triptychon
Komposition aus drei einzelnen Drucken, die zusammen ein Bild ergeben.
Wurde für Schlachten, Feste und großformatige erzählerische Szenen verwendet.
Ukiyo (浮世)
„Vergängliche Welt“ der städtischen Vergnügungen, Theater und Genüsse der Edo-Zeit.
Philosophische Grundlage, aus der das ukiyo-e hervorging.
Ukiyo-e (浮世絵)
„Bilder der vergänglichen Welt“ – japanische Holzschnitte der Edo- und Meiji-Zeit mit Darstellungen schöner Frauen, Kabuki-Schauspieler, Landschaften und des Alltagslebens.
Ukiyo-e prägte die visuelle Kultur Japans und beeinflusste maßgeblich die europäische Kunst des 19. Jahrhunderts.
Washi (和紙)
Traditionelles japanisches handgeschöpftes Papier aus Maulbeerfasern.
Es zeichnet sich durch Festigkeit, Elastizität und lange Haltbarkeit aus.
Yakusha-e (役者絵)
Holzschnitte mit Darstellungen von Kabuki-Schauspielern in ihren berühmten Rollen.
Sie fungierten als Theaterporträts und visuelle Werbung für die Schauspieler.