Beschreibung
Utagawa Yoshikazu – Schlacht bei Kawanakajima
Originaler japanischer Holzschnitt
Autor: Utagawa Yoshikazu (aktiv 1848–1863).
Originaltitel: Kawanakajima no kassen.
Erstellt/veröffentlicht: 1857.
Technik: farbholzschnitt.
Format: diptychon, 2 × vertikales ōban nishiki-e: 35,2 × 24,1 cm und 35,4 × 24 cm.
Beschreibung: der farbige japanische Holzschnitt in Form eines Diptychons zeigt einen dramatischen Reiterangriff während der berühmten Schlacht bei Kawanakajima, einer der bedeutendsten militärischen Auseinandersetzungen der japanischen Geschichte des 16. Jahrhunderts. Utagawa Yoshikazu entfaltet hier eine weitläufige Kampfszene, in der sich einzelne Figuren in einem dynamischen Wirbel aus Bewegung, Waffen und Kriegsbannern überlagern. Die Komposition erstreckt sich über zwei Blätter und wirkt wie ein zusammenhängendes Schlachtfeld ohne klaren Mittelpunkt, wodurch Chaos und Intensität des Gefechts betont werden. Das Werk steht in der Tradition der japanischen Holzschnitte des ukiyo-e.
Die Reiter sind im vollen Galopp dargestellt, mit gezogenen Lanzen und Schwertern, während die Pferde sich aufbäumen und abrupt die Richtung wechseln. Farblich differenzierte Rüstungen, Wappen und Banner der einzelnen Clans ermöglichen dem Betrachter die Orientierung in der Vielzahl der Figuren und unterstreichen zugleich die visuelle Pracht der Szene. Die typische Stilisierung der Gestalten, markante Gesichtszüge und die Betonung der Bewegung entsprechen der Tradition der Kriegsdrucke (musha-e).
Im Hintergrund erscheint eine Landschaft mit Bergen und offenem Schlachtfeld, die einen Kontrast zum dicht gefüllten Vordergrund bildet. Diese räumliche Gliederung hilft, die Komposition auszubalancieren und einzelne Gruppen von Kämpfern hervorzuheben. Yoshikazu beweist hier seine Fähigkeit, erzählerische Übersichtlichkeit mit dekorativer Wirkung zu verbinden, die für das zeitgenössische Publikum von zentraler Bedeutung war.
Der Druck entstand in einer Phase gesteigerten Interesses an historischen und militärischen Themen, als Kriegsdarstellungen ein beliebtes Mittel waren, heroische Taten der Vergangenheit zu vergegenwärtigen. Das Diptychon stellt somit nicht nur eine Illustration einer konkreten Schlacht dar, sondern auch einen Teil der breiteren Tradition der japanischen Grafik der Edo-Zeit, in der sich Geschichte, Legende und visuelle Eindrücklichkeit zu kraftvollen Bildensembles verbanden.
Text: © AtelierEdition
Bildquelle: © The Metropolitan Museum of Art
Utagawa Yoshikazu
Utagawa Yoshikazu (歌川 芳員, aktiv etwa 1848–1863) war ein japanischer Maler und Grafiker der Edo-Zeit, tätig innerhalb der Utagawa-Schule, die in der Mitte des 19. Jahrhunderts die Produktion populärer Holzschnitte dominierte. Er spezialisierte sich vor allem auf Kriegs- und Historienbilder (musha-e), in denen er dramatische Kompositionen voller Bewegung und visueller Spannung entwickelte.
Yoshikazus Werk zeichnet sich durch eine reiche figürliche Anlage, kräftige Farbigkeit und einen ausgeprägten Sinn für erzählerische Klarheit in umfangreichen Schlachtszenen aus. Häufig arbeitete er im Format von Diptychen und Triptychen, die es ihm ermöglichten, komplexe Handlungen mit zahlreichen Figuren und Details darzustellen. Seine Arbeiten repräsentieren eine späte, hoch dekorative Phase der Entwicklung des japanischen Holzschnitts in der Edo-Zeit.
Während seiner aktiven Zeit reagierte Yoshikazu auf das wachsende Interesse des Publikums an historischen Schlachten und legendären Helden, die als Symbole von Mut, Loyalität und militärischen Tugenden verstanden wurden. Seine Drucke dienten daher nicht nur als populäre Bildblätter, sondern auch als visuelle Interpretation der japanischen Geschichte und des kollektiven Gedächtnisses der späten Edo-Periode.
Japanische Begriffe
Bijin-ga (美人画)
„Bilder schöner Frauen“ – Darstellungen von Kurtisanen, Geishas und dem Ideal weiblicher Schönheit.
Betonen Eleganz, Mode, Frisuren und die feine Psychologie der dargestellten Figuren.
Bokashi (ぼかし)
Technik des fließenden Farbverlaufs ohne harte Kanten.
Wird für Himmel, Wasser oder atmosphärische Effekte verwendet.
Diptychon
Zweiteiliges Blatt, das eine gemeinsame Bildkomposition bildet.
Häufig bei dramatischen Szenen und Schauspielerporträts.
Fūkei-ga (風景画)
Landschaftsholzschnitte mit Darstellungen von Natur, Städten und Reiserouten.
Ein Genre, das durch Meister wie Hiroshige und Hokusai berühmt wurde.
Hangi (版木)
Hölzerner Druckstock, in den das Bild eingeschnitten wird.
Für jede Farbe ist ein eigener hangi erforderlich.
Karazuri (空摺)
Blinddruck – Druck ohne Farbe zur Erzeugung eines Reliefs auf dem Papier.
Wird häufig bei luxuriösen Drucken und surimono eingesetzt.
Kabuki (歌舞伎)
Traditionelles japanisches Theater mit ausdrucksstarkem Spiel und stilisierten Kostümen.
Kabuki-Schauspieler gehörten zu den beliebtesten Motiven des ukiyo-e.
Kachō-ga (花鳥画)
Genre mit Darstellungen von Blumen und Vögeln, oft mit symbolischer Bedeutung.
Besonders beliebt im späten ukiyo-e und im modernen Holzschnitt.
Kento (見当)
Passmarken, die in den Druckstock geschnitten werden, um die Farben exakt auszurichten.
Sie gewährleisten die korrekte Überlagerung der einzelnen Druckplatten.
Meisho-e (名所絵)
Darstellungen berühmter Orte Japans – Tempel, Brücken und Landschaften.
Oft verbunden mit Reisen und saisonalen Motiven.
Nishiki-e (錦絵)
Mehrfarbiger japanischer Holzschnitt, gedruckt von mehreren Druckstöcken, von denen jeder eine Farbe trägt.
Diese Technik ermöglichte die reiche Farbigkeit und den Detailreichtum des klassischen ukiyo-e.
Ōban (大判)
Standardformat des Holzschnitts mit etwa 25 × 38 cm.
Wurde vor allem für Schauspielerporträts, Kurtisanen und Landschaften verwendet.
Ōban nishiki-e
Farbholzschnitt in der Technik des nishiki-e im Format Ōban.
Der verbreitetste Typ des klassischen japanischen Holzschnitts.
Sumizuri-e (墨摺絵)
Einfarbige Drucke, die ausschließlich mit schwarzer Tusche ausgeführt wurden.
Vorläufer der mehrfarbigen nishiki-e.
Surimono (摺物)
Luxuriöse, privat herausgegebene Holzschnitte für einen kleinen Kreis von Kennern.
Zeichnen sich durch feinen Druck, Blindprägung und kostbare Pigmente aus.
Triptychon
Komposition aus drei einzelnen Drucken, die zusammen ein Bild ergeben.
Wurde für Schlachten, Feste und großformatige erzählerische Szenen verwendet.
Ukiyo (浮世)
„Vergängliche Welt“ der städtischen Vergnügungen, Theater und Genüsse der Edo-Zeit.
Philosophische Grundlage, aus der das ukiyo-e hervorging.
Ukiyo-e (浮世絵)
„Bilder der vergänglichen Welt“ – japanische Holzschnitte der Edo- und Meiji-Zeit mit Darstellungen schöner Frauen, Kabuki-Schauspieler, Landschaften und des Alltagslebens.
Ukiyo-e prägte die visuelle Kultur Japans und beeinflusste maßgeblich die europäische Kunst des 19. Jahrhunderts.
Washi (和紙)
Traditionelles japanisches handgeschöpftes Papier aus Maulbeerfasern.
Es zeichnet sich durch Festigkeit, Elastizität und lange Haltbarkeit aus.
Yakusha-e (役者絵)
Holzschnitte mit Darstellungen von Kabuki-Schauspielern in ihren berühmten Rollen.
Sie fungierten als Theaterporträts und visuelle Werbung für die Schauspieler.