Beschreibung
Autor: Wenzel Hollar (Václav Hollar, Wenceslaus Hollar Bohemus), 1607–1677.
Titel: Daß ist eine gutte Khatz, die nicht nasch. (Dobrá koczka, která nemlsá.)
Entstehungsjahr: 17. Jahrhundert.
Technik: Radierung (Tiefdruck) auf Papier.
Beschreibung: die Radierung „Die gute Katze“ gehört zu den bekanntesten und beliebtesten Tierdarstellungen Wenzel Hollars. Der Künstler wählt hier eine außergewöhnlich reduzierte und zugleich eindringliche Komposition: Der Kopf der Katze erscheint frontal, ohne Körper, vor neutralem Hintergrund. Die gesamte Aufmerksamkeit richtet sich auf den Ausdruck der Augen, die feine Modellierung des Fells und die präzise Wiedergabe der Proportionen.
Hollar beweist sowohl außergewöhnliche Beobachtungsgabe als auch technische Virtuosität. Das Fell ist mit feinen, kurzen Linien gearbeitet, die Weichheit und Volumen suggerieren, während die Augen lebendig und konzentriert wirken. Das Tier erscheint weder idealisiert noch sentimental, sondern ruhig, würdevoll und beinahe porträthaft ernst. Gerade diese Zurückhaltung verleiht dem Blatt seine zeitlose Wirkung und besondere Anziehungskraft.
Auf dem Blatt findet sich eine Inschrift in zwei Sprachfassungen. Der tschechische Text lautet: „Dobrá koczka, která nemlsá.“ Die deutsche Version wiederholt die Aussage: „Daß ist eine gutte Khatz, die nicht nasch.“ Beide Fassungen lassen sich als Lob der Mäßigung und Zurückhaltung verstehen – eine „gute Katze“ ist jene, die nicht nascht. Die Inschrift kann sowohl als humorvoller Kommentar zur Tiernatur gelesen werden als auch als subtile moralische Anspielung, wie sie für die graphische Kultur des 17. Jahrhunderts charakteristisch ist.
Die Verbindung aus realistischer Darstellung und leicht ironischem Text schafft eine feine Balance zwischen Naturbeobachtung und symbolischer Bedeutung. Das Blatt wirkt nicht wie eine Fabelillustration, sondern eher wie ein stilles Porträt, das menschliche Eigenschaften in tierischer Gestalt andeutet.
Die Ausführung in der Technik der Radierung – einem Verfahren des Tiefdrucks – ermöglicht eine außerordentlich feine Linienführung und differenzierte Tonabstufungen. Gerade in solchen kleinformatigen Motiven zeigt sich Hollars Fähigkeit, technische Perfektion mit sensibler Weltbeobachtung zu verbinden. Dadurch zählt das Werk zu den qualitätvollsten Beispielen der europäischen Druckgraphik des 17. Jahrhunderts.
Text: © Atelier Edition.
Bildquelle: © The Metropolitan Museum of Art.
Wenzel Hollar
Wenzel (Václav) Hollar (1607, Prag – 1677, London) zählt zu den bedeutendsten europäischen Graphikern des 17. Jahrhunderts und zu den bekanntesten aus Böhmen stammenden Künstlern mit internationaler Wirkung. Er war Meister des Kupferstichs und der Radierung; sein Werk umfasst Veduten, Landschaften, Porträts, Karten sowie feine Studien des Alltagslebens.
Hollars Graphik zeichnet sich durch eine außergewöhnliche Feinheit der Linie, zeichnerische Sicherheit und ein sensibles Beobachten der Wirklichkeit aus. Im Gegensatz zum dramatischen Pathos barocker Malerei wirken seine Arbeiten ruhig, präzise und dokumentarisch. Mit bemerkenswerter Genauigkeit hielt er die Gestalt europäischer Städte, Landschaften und Architektur fest.
Einen bedeutenden Teil seines Lebens verbrachte Hollar in England, wo unter anderem seine berühmten Ansichten Londons vor dem Großen Brand von 1666 entstanden. Seine Werke sind heute in führenden internationalen Graphiksammlungen vertreten und stellen ein einzigartiges visuelles Zeugnis des europäischen Raumes im 17. Jahrhundert dar.
Graphische Begriffe
Kupferstich
Grafische Tiefdrucktechnik, bei der die Zeichnung mit einem Stichel direkt in eine Kupferplatte eingeschnitten wird. Charakteristisch sind eine klare, scharf definierte Linie und hohe zeichnerische Kontrolle.
Radierung
Tiefdruckverfahren, bei dem die Zeichnung mit einer Nadel in eine säurebeständige Schicht auf einer Metallplatte geritzt wird. Die Linien entstehen durch das Ätzen mit Säure. Die Radierung wirkt meist freier und skizzenhafter als der Kupferstich.
Tiefdruck
Druckverfahren, bei dem die druckenden Elemente vertieft in der Platte liegen. Die Farbe sammelt sich in den eingeritzten Linien und wird unter hohem Druck auf das Papier übertragen.
Kupferplatte
Metallplatte (meist aus Kupfer), in die das Motiv eingeschnitten oder eingeätzt wird. Sie bildet die Grundlage für den Druckvorgang.
Stichel
Spezialwerkzeug aus gehärtetem Stahl mit scharf geschliffener Spitze, mit dem Linien direkt in die Metallplatte geschnitten werden. Unterschiedliche Formen erlauben variierende Linienbreiten.
Ätznadel
Werkzeug zum Zeichnen in die Schutzschicht einer Radierplatte. Die freigelegten Linien werden anschließend durch Säure vertieft.
Schraffur
System aus parallelen oder sich kreuzenden Linien zur Modellierung von Licht und Schatten. Zentrales Ausdrucksmittel im Kupferstich.
Kreuzschraffur
Mehrlagige, sich überkreuzende Linienführung zur Verdichtung von Schattenpartien und zur Erzeugung plastischer Tiefe.
Plattenton
Feiner Farbton, der bei der Radierung durch bewusstes Stehenlassen von Restfarbe auf der Platte entsteht. Er erzeugt weiche atmosphärische Effekte.
Abzug
Einzelnes gedrucktes Exemplar eines graphischen Blattes. Frühere Abzüge zeichnen sich häufig durch schärfere Linien aus.
Zustand (Druckzustand)
Bezeichnet Veränderungen an der Druckplatte im Verlauf ihrer Nutzung. Unterschiedliche Zustände können sich in Details oder Inschriften unterscheiden.
Signatur
Künstlerischer Namensvermerk auf dem Blatt, häufig mit lateinischen Zusätzen wie „fecit“ (hat es gemacht), „sculpsit“ (hat es gestochen) oder „pinxit“ (hat es gemalt).
Edition
Moderne, qualitätsvolle Reproduktion eines historischen graphischen Blattes, gedruckt unter Beachtung der originalen Linienführung und Tonalität.
Handgeschöpftes Papier
Traditionell hergestelltes Papier mit charakteristischer Struktur und hoher Haltbarkeit. Besonders geeignet für hochwertige Reproduktionen von Tiefdrucken.
Ikonographie
Lehre von der Bedeutung und Deutung von Bildmotiven. Hilfreich zur Einordnung religiöser, allegorischer oder historischer Darstellungen.
Vedute
Detailreiche Stadt- oder Landschaftsansicht mit dokumentarischem Charakter, besonders verbreitet im 17. und 18. Jahrhundert.