Beschreibung
Johann Baptist Homann – Habsburger Länder
Originale historische Karte
Titel: Habsburger Länder
Autor: Homann, Johann Baptist, 1663–1724.
Veröffentlicht: 1720.
Material: karte, handkolorierter Kupferstich, Papier.
Format: 490 x 576 mm.
Beschreibung: diese repräsentative barocke Karte zeigt die territoriale Ausdehnung der habsburgischen Länder im ersten Drittel des 18. Jahrhunderts. Der Kartograf Johann Baptist Homann stellte hier die Länder unter der Herrschaft der Habsburgerdynastie innerhalb des Heiligen Römischen Reiches sowie außerhalb seiner formalen Grenzen dar, darunter Österreich, Böhmen, Mähren, Ungarn, Teile Italiens und weitere verbundene Gebiete.
Die einzelnen Länder sind durch handkolorierte Flächen und deutlich hervorgehobene Grenzlinien übersichtlich voneinander abgegrenzt, was Homanns systematischem Ansatz der politischen Kartografie entspricht. Die Karte legt besonderen Wert auf die administrative Gliederung, das Netz der Städte, Verkehrswege und die wichtigsten geografischen Elemente, insbesondere Flüsse, die eine zentrale Rolle für Verwaltung, Handel und militärische Strategie der habsburgischen Monarchie spielten.
Im linken oberen Teil des Blattes befindet sich eine reich verzierte barocke Kartusche mit allegorischen Figuren und heraldischen Motiven, die Macht, Legitimität und Kontinuität der habsburgischen Herrschaft symbolisieren. Die künstlerische Ausstattung unterstreicht den repräsentativen Charakter der Karte, die nicht nur für praktische Zwecke bestimmt war, sondern auch als prestigeträchtiges Artefakt für adelige und höfische Sammlungen diente.
Die Karte entstand in einer Zeit, in der sich das Habsburgerreich auf dem Höhepunkt seiner politischen und territorialen Macht befand. Dieses Blatt ist ein typisches Beispiel dafür, wie Historische Karten als Instrument zur Legitimation dynastischer Macht, zur visuellen Darstellung dynastischer Ansprüche und staatlicher Kontinuität sowie zugleich als Mittel der Orientierung innerhalb eines weitläufigen und multinationalen Herrschaftsgebietes dienten. Das Werk stellt ein charakteristisches Beispiel hochbarocker Kartografie dar, die Präzision, Ideologie und ästhetische Wirkung miteinander verband.
Als hochwertige Sammlereditionen historischer Karten dokumentieren solche Werke die politische Geografie Europas und die visuelle Kultur der barocken Monarchien.
Text: © AtelierEdition.
Bildquelle: © LOC, Washington.
Kartografische Begriffe
Atlas
Eine Sammlung von Karten, die als zusammenhängendes Werk in Buchform veröffentlicht wurde. In der frühen Neuzeit stellte sie eine Synthese des geografischen Wissens ihrer Zeit dar.
Chorografische Karte
Eine Karte, die ein konkretes Gebiet mit Schwerpunkt auf Ortsnamen und regionaler Gliederung darstellt. Sie steht zwischen der topografischen und der allgemeinen geografischen Karte.
Geografische Projektion
Die Methode zur Übertragung der kugelförmigen Erdoberfläche auf eine ebene Karte. Jede Projektion verzerrt bestimmte Eigenschaften wie Fläche, Entfernung oder Winkel.
Kartusche
Ein dekorativer Rahmen, der den Titel der Karte, den Autor, das Datum oder eine Widmung enthält. Ein bedeutendes Gestaltungselement alter Karten, oft reich verziert.
Mappa mundi
Mittelalterliche schematische Weltkarten, die geografische Darstellung mit religiöser Deutung verbinden. Sie streben keine Genauigkeit an, sondern eine symbolische und kosmologische Darstellung der Welt.
Kupferstich
Eine grafische Technik, bei der das Bild in eine Kupferplatte graviert wird. Sie ermöglicht feine Linienführung und Detailreichtum, typisch für alte kartografische Blätter.
Parerg
Ein ergänzendes dekoratives oder informatives Element einer Karte, etwa eine Nebenkarte, ein Maßstab oder erklärende Legenden. Es ergänzt das Hauptkartenfeld und erweitert dessen Aussage.
Lageplan (Polohopis)
Die Darstellung horizontaler Elemente der Landschaft – Siedlungen, Flüsse, Wege und Grenzen. Eine grundlegende Komponente der kartografischen Beschreibung eines Gebiets.
Portolan
Ein früher Typ von Seekarte mit dichtem Netz von Kurslinien. Diente der Navigation im Mittelmeerraum und entlang der europäischen Küsten.
Revers
Die Rückseite eines Kartenblattes. Bei alten Karten enthält sie häufig einen beschreibenden Text über die dargestellte Region, meist in Latein oder einer Volkssprache.
Stich (Rytina)
Sammelbezeichnung für grafische Techniken, die auf dem Gravieren in eine Druckplatte basieren. Grundlegende Drucktechnik der Kartografie vor der Einführung der Lithografie.
Topografische Karte
Eine Karte, die Gelände, Siedlungen und natürliche Elemente detailliert darstellt. Sie gilt als Vorläufer moderner Karten mit Fokus auf Genauigkeit und Maßstab.
Vedute
Eine detaillierte Ansicht einer Stadt oder Landschaft, häufig aus der Vogelperspektive. Sie steht an der Schnittstelle zwischen Kartografie und bildender Kunst.
Höhenrelief (Výškopis)
Die Darstellung vertikaler Geländeformen – Berge, Täler und Relief. In der historischen Kartografie oft schematisch oder symbolisch ausgeführt.
Geografisches Gradnetz
Ein System aus Breiten- und Längengraden zur Orientierung auf der Karte. Es wurde mit dem Fortschritt von Astronomie und Mathematik zunehmend präzisiert.