Beschreibung
John Senex – Afrikakarte
Originale historische Karte
Titel: Africa : corrected from the observations of the Royal Society at London and Paris…/
Autor: Senex, John, ?–1740.
Veröffentlicht: London, John Senex, 1725?
Material: handkolorierter Kupferstich, Papier.
Format: karte, 680 x 980 mm.
Beschreibung: diese Karte zeigt den afrikanischen Kontinent nach den kartografischen Erkenntnissen der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts, mit eingezeichneten Grenzen einzelner Regionen, den wichtigsten Flüssen sowie ausgedehnten Waldgebieten. Das Gebiet ist in farblich differenzierte Einheiten gegliedert, die dem zeitgenössischen geografischen und politischen Verständnis Afrikas entsprechen.
Ein markantes Element der Karte ist die Bezeichnung der Ozeane rund um den Kontinent, insbesondere die Benennung Ethiopic Ocean, die in der frühneuzeitlichen Kartografie für Gebiete des Indischen Ozeans und angrenzender Meere südlich des Äquators verwendet wurde. Dieser Begriff geht auf die antike und mittelalterliche Tradition zurück, in der „Äthiopien“ im weiten Sinn als Gebiet südlich der Sahara verstanden wurde.
Die innere Gliederung Afrikas spiegelt die europäische Vorstellung des Kontinents in einer Zeit zunehmender kolonialer Expansion wider. Die Küstenregionen sind detaillierter ausgearbeitet, während das Landesinnere schematischer bleibt. Die farbliche Differenzierung der Gebiete deutet Einflusszonen und geografische Regionen an, jedoch keine exakt definierten Staatsgrenzen im modernen Sinn.
Ein interessantes Detail ist die piktografische Darstellung nomadischer Siedlungen mithilfe von Zeltsymbolen, die auf unterschiedliche Lebensformen in den einzelnen Regionen des Kontinents hinweist. Diese Form der visuellen Darstellung war im 18. Jahrhundert verbreitet und diente der besseren Verständlichkeit kartografischer Informationen für europäische Leser.
Die Karte stellt ein bedeutendes Zeugnis britischer Kartografie ihrer Zeit dar und dokumentiert den Versuch, zeitgenössische wissenschaftliche Erkenntnisse mit traditionellen kartografischen Konventionen zu verbinden. Sie gehört zu den wichtigen Quellen für das Studium des europäischen Afrikabildes und der Entwicklung geografischen Denkens innerhalb des fachlichen und sammlerischen Interesses an Historischen Karten.
Als hochwertige Sammlereditionen historischer Karten dokumentieren solche Werke die europäische Wahrnehmung Afrikas und die Entwicklung wissenschaftlicher Kartografie im frühen 18. Jahrhundert.
Text: © AtelierEdition.
Bildquelle: © LOC, Washington.
Kartografische Begriffe
Atlas
Eine Sammlung von Karten, die als zusammenhängendes Werk in Buchform veröffentlicht wurde. In der frühen Neuzeit stellte sie eine Synthese des geografischen Wissens ihrer Zeit dar.
Chorografische Karte
Eine Karte, die ein konkretes Gebiet mit Schwerpunkt auf Ortsnamen und regionaler Gliederung darstellt. Sie steht zwischen der topografischen und der allgemeinen geografischen Karte.
Geografische Projektion
Die Methode zur Übertragung der kugelförmigen Erdoberfläche auf eine ebene Karte. Jede Projektion verzerrt bestimmte Eigenschaften wie Fläche, Entfernung oder Winkel.
Kartusche
Ein dekorativer Rahmen, der den Titel der Karte, den Autor, das Datum oder eine Widmung enthält. Ein bedeutendes Gestaltungselement alter Karten, oft reich verziert.
Mappa mundi
Mittelalterliche schematische Weltkarten, die geografische Darstellung mit religiöser Deutung verbinden. Sie streben keine Genauigkeit an, sondern eine symbolische und kosmologische Darstellung der Welt.
Kupferstich
Eine grafische Technik, bei der das Bild in eine Kupferplatte graviert wird. Sie ermöglicht feine Linienführung und Detailreichtum, typisch für alte kartografische Blätter.
Parerg
Ein ergänzendes dekoratives oder informatives Element einer Karte, etwa eine Nebenkarte, ein Maßstab oder erklärende Legenden. Es ergänzt das Hauptkartenfeld und erweitert dessen Aussage.
Lageplan (Polohopis)
Die Darstellung horizontaler Elemente der Landschaft – Siedlungen, Flüsse, Wege und Grenzen. Eine grundlegende Komponente der kartografischen Beschreibung eines Gebiets.
Portolan
Ein früher Typ von Seekarte mit dichtem Netz von Kurslinien. Diente der Navigation im Mittelmeerraum und entlang der europäischen Küsten.
Revers
Die Rückseite eines Kartenblattes. Bei alten Karten enthält sie häufig einen beschreibenden Text über die dargestellte Region, meist in Latein oder einer Volkssprache.
Stich (Rytina)
Sammelbezeichnung für grafische Techniken, die auf dem Gravieren in eine Druckplatte basieren. Grundlegende Drucktechnik der Kartografie vor der Einführung der Lithografie.
Topografische Karte
Eine Karte, die Gelände, Siedlungen und natürliche Elemente detailliert darstellt. Sie gilt als Vorläufer moderner Karten mit Fokus auf Genauigkeit und Maßstab.
Vedute
Eine detaillierte Ansicht einer Stadt oder Landschaft, häufig aus der Vogelperspektive. Sie steht an der Schnittstelle zwischen Kartografie und bildender Kunst.
Höhenrelief (Výškopis)
Die Darstellung vertikaler Geländeformen – Berge, Täler und Relief. In der historischen Kartografie oft schematisch oder symbolisch ausgeführt.
Geografisches Gradnetz
Ein System aus Breiten- und Längengraden zur Orientierung auf der Karte. Es wurde mit dem Fortschritt von Astronomie und Mathematik zunehmend präzisiert.