Beschreibung
Johann Baptist Homann – Weltkarte
Originale historische Karte
Originaltitel: Planiglobii terrestris cum utroq hemisphærio cælesti generalis repræsentatio.
Autor: Homann, Johann Baptist, 1663–1724.
Veröffentlicht: [S.l., 1716?].
Material: kolorierter Kupferstich, Papier.
Format: 540 x 620 mm.
Beschreibung: Planiglobii terrestris cum utroq hemisphærio cælesti generalis repræsentatio gehört zu den repräsentativsten Weltkarten, die in der Werkstatt von Johann Baptist Homann im ersten Viertel des 18. Jahrhunderts herausgegeben wurden. Die Komposition des Kartenblattes basiert auf einem Paar großer kreisförmiger Hemisphären – der westlichen und östlichen Halbkugel – ergänzt durch kleinere kreisförmige Darstellungen des nördlichen und südlichen Himmels, die das geografische und astronomische Weltbild im Sinne der barocken Kosmografie miteinander verbinden.
Die Karte zeigt den Stand des geografischen Wissens kurz nach dem Jahr 1700. Die Küsten Amerikas sind bereits relativ genau abgegrenzt, dennoch bewahrt die Darstellung einige zeittypische Hypothesen, beispielsweise eine offenere Auffassung der nördlichen Regionen Nordamerikas und der Arktis. Die südliche Halbkugel ist ohne den hypothetischen Kontinent Terra Australis Incognita dargestellt, was den neueren wissenschaftlichen Ansichten entspricht, die Homann und sein Umfeld vertraten. Auffällig ist das dichte Netz von Loxodromen und Meridianen, das die navigationsbezogene Funktion der Karte unterstreicht.
Eine besondere Rolle spielt die reiche barocke Ausschmückung. Allegorische Figuren, Putti, Wolkenmotive und symbolische Verweise auf die himmlische Sphäre verbinden die irdische und kosmische Ordnung. Die oberen und unteren Bereiche des Blattes enthalten umfangreiche Textfelder mit Erläuterungen, astronomischen Anmerkungen und geografischen Kommentaren, die den Anspruch der Homannschen Werkstatt widerspiegeln, nicht nur dekorative, sondern auch lehrreiche kartografische Werke zu schaffen.
Die Karte war sowohl für ein gelehrtes Publikum als auch für repräsentative Sammlungen von Adel und Bürgertum bestimmt. Dieser Kartentyp diente als enzyklopädisches Weltbild und zeigt, wie Historische Karten als Synthese von Wissenschaft, Kunst und Philosophie verstanden wurden. Als Beispiel hochwertiger Sammlereditionen historischer Karten verbindet dieses Werk wissenschaftliche Präzision mit barocker visueller Rhetorik, durch die Homanns Karten zu einem Standard der europäischen Kartografie ihrer Zeit wurden.
Text: © AtelierEdition.
Bildquelle: © LOC, Washington.
Kartografische Begriffe
Atlas
Eine Sammlung von Karten, die als zusammenhängendes Werk in Buchform veröffentlicht wurde. In der frühen Neuzeit stellte sie eine Synthese des geografischen Wissens ihrer Zeit dar.
Chorografische Karte
Eine Karte, die ein konkretes Gebiet mit Schwerpunkt auf Ortsnamen und regionaler Gliederung darstellt. Sie steht zwischen der topografischen und der allgemeinen geografischen Karte.
Geografische Projektion
Die Methode zur Übertragung der kugelförmigen Erdoberfläche auf eine ebene Karte. Jede Projektion verzerrt bestimmte Eigenschaften wie Fläche, Entfernung oder Winkel.
Kartusche
Ein dekorativer Rahmen, der den Titel der Karte, den Autor, das Datum oder eine Widmung enthält. Ein bedeutendes Gestaltungselement alter Karten, oft reich verziert.
Mappa mundi
Mittelalterliche schematische Weltkarten, die geografische Darstellung mit religiöser Deutung verbinden. Sie streben keine Genauigkeit an, sondern eine symbolische und kosmologische Darstellung der Welt.
Kupferstich
Eine grafische Technik, bei der das Bild in eine Kupferplatte graviert wird. Sie ermöglicht feine Linienführung und Detailreichtum, typisch für alte kartografische Blätter.
Parerg
Ein ergänzendes dekoratives oder informatives Element einer Karte, etwa eine Nebenkarte, ein Maßstab oder erklärende Legenden. Es ergänzt das Hauptkartenfeld und erweitert dessen Aussage.
Lageplan (Polohopis)
Die Darstellung horizontaler Elemente der Landschaft – Siedlungen, Flüsse, Wege und Grenzen. Eine grundlegende Komponente der kartografischen Beschreibung eines Gebiets.
Portolan
Ein früher Typ von Seekarte mit dichtem Netz von Kurslinien. Diente der Navigation im Mittelmeerraum und entlang der europäischen Küsten.
Revers
Die Rückseite eines Kartenblattes. Bei alten Karten enthält sie häufig einen beschreibenden Text über die dargestellte Region, meist in Latein oder einer Volkssprache.
Stich (Rytina)
Sammelbezeichnung für grafische Techniken, die auf dem Gravieren in eine Druckplatte basieren. Grundlegende Drucktechnik der Kartografie vor der Einführung der Lithografie.
Topografische Karte
Eine Karte, die Gelände, Siedlungen und natürliche Elemente detailliert darstellt. Sie gilt als Vorläufer moderner Karten mit Fokus auf Genauigkeit und Maßstab.
Vedute
Eine detaillierte Ansicht einer Stadt oder Landschaft, häufig aus der Vogelperspektive. Sie steht an der Schnittstelle zwischen Kartografie und bildender Kunst.
Höhenrelief (Výškopis)
Die Darstellung vertikaler Geländeformen – Berge, Täler und Relief. In der historischen Kartografie oft schematisch oder symbolisch ausgeführt.
Geografisches Gradnetz
Ein System aus Breiten- und Längengraden zur Orientierung auf der Karte. Es wurde mit dem Fortschritt von Astronomie und Mathematik zunehmend präzisiert.