Beschreibung
Carel Allard – Astronomische Karte
Originale historische Karte
Titel: Planisphaerii coelestis hemisphaerium meridionale: calculatum ad finem anni MDCC, pro aevo XVIII praesente.
Autor: Allard, Carel, 1648–cca 1709. Cóvens et Mortier.
Veröffentlicht: Amsterdam, I. Cóvens et C. Mortier, [1700].
Material: karte, handkolorierter Kupferstich, Papier.
Format: 560 x 650 mm.
Beschreibung: diese astronomische Karte gehört zum Kreis der Historischen Karten der Himmelskartografie an der Wende vom 17. zum 18. Jahrhundert und stellt die südliche Himmelshalbkugel dar, wie sie zu Beginn des 18. Jahrhunderts verstanden wurde. Das Werk trägt den Titel Planisphaerii coelestis hemisphaerium meridionale und wurde für das Ende des Jahres 1700 unter Berücksichtigung der astronomischen Erkenntnisse seiner Zeit berechnet.
Die zentrale kreisförmige Projektion zeigt die Sternkonstellationen des südlichen Himmels einschließlich einer reichen figürlichen Darstellung der Sternbilder, die wissenschaftliche Erkenntnis mit barocker Bildtradition verbindet. Die Sternbilder sind mittels mythologischer Figuren, Tiere und allegorischer Wesen dargestellt, wobei die einzelnen Sterne systematisch nach ihrer Helligkeit unterschieden sind.
Die Karte ist durch eine Reihe ergänzender astronomischer Diagramme erweitert, darunter Darstellungen der Sonne, des Mondes, planetarer Symbole sowie eine grafische Darstellung des Tierkreises. Tabellen im unteren Teil des Blattes dienen der Orientierung in den Sternkoordinaten und dokumentieren das Bestreben nach Genauigkeit und praktischer Anwendbarkeit der astronomischen Darstellung.
Ein bedeutendes Merkmal der Karte ist die Kennzeichnung des Privilegs Cum Privilegio Pontissimorum D. D. Ordinum Hollandiae et Westfrisiae, das die offizielle Genehmigung und den Schutz des Werkes bestätigt. Die Karte stellt somit nicht nur ein ästhetisches Artefakt dar, sondern auch ein seriöses wissenschaftliches Instrument ihrer Zeit.
Als Beispiel hochwertiger Sammlereditionen historischer Karten gehört dieses Werk zugleich zu den bedeutenden astronomischen Karten, die das damalige Verständnis des Kosmos dokumentieren.
Text: © AtelierEdition.
Bildquelle: © Historisches Institut der Akademie der Wissenschaften der Tschechischen Republik, Prag.
Kartografische Begriffe
Atlas
Eine Sammlung von Karten, die als zusammenhängendes Werk in Buchform veröffentlicht wurde. In der frühen Neuzeit stellte sie eine Synthese des geografischen Wissens ihrer Zeit dar.
Chorografische Karte
Eine Karte, die ein konkretes Gebiet mit Schwerpunkt auf Ortsnamen und regionaler Gliederung darstellt. Sie steht zwischen der topografischen und der allgemeinen geografischen Karte.
Geografische Projektion
Die Methode zur Übertragung der kugelförmigen Erdoberfläche auf eine ebene Karte. Jede Projektion verzerrt bestimmte Eigenschaften wie Fläche, Entfernung oder Winkel.
Kartusche
Ein dekorativer Rahmen, der den Titel der Karte, den Autor, das Datum oder eine Widmung enthält. Ein bedeutendes Gestaltungselement alter Karten, oft reich verziert.
Mappa mundi
Mittelalterliche schematische Weltkarten, die geografische Darstellung mit religiöser Deutung verbinden. Sie streben keine Genauigkeit an, sondern eine symbolische und kosmologische Darstellung der Welt.
Kupferstich
Eine grafische Technik, bei der das Bild in eine Kupferplatte graviert wird. Sie ermöglicht feine Linienführung und Detailreichtum, typisch für alte kartografische Blätter.
Parerg
Ein ergänzendes dekoratives oder informatives Element einer Karte, etwa eine Nebenkarte, ein Maßstab oder erklärende Legenden. Es ergänzt das Hauptkartenfeld und erweitert dessen Aussage.
Lageplan (Polohopis)
Die Darstellung horizontaler Elemente der Landschaft – Siedlungen, Flüsse, Wege und Grenzen. Eine grundlegende Komponente der kartografischen Beschreibung eines Gebiets.
Portolan
Ein früher Typ von Seekarte mit dichtem Netz von Kurslinien. Diente der Navigation im Mittelmeerraum und entlang der europäischen Küsten.
Revers
Die Rückseite eines Kartenblattes. Bei alten Karten enthält sie häufig einen beschreibenden Text über die dargestellte Region, meist in Latein oder einer Volkssprache.
Stich (Rytina)
Sammelbezeichnung für grafische Techniken, die auf dem Gravieren in eine Druckplatte basieren. Grundlegende Drucktechnik der Kartografie vor der Einführung der Lithografie.
Topografische Karte
Eine Karte, die Gelände, Siedlungen und natürliche Elemente detailliert darstellt. Sie gilt als Vorläufer moderner Karten mit Fokus auf Genauigkeit und Maßstab.
Vedute
Eine detaillierte Ansicht einer Stadt oder Landschaft, häufig aus der Vogelperspektive. Sie steht an der Schnittstelle zwischen Kartografie und bildender Kunst.
Höhenrelief (Výškopis)
Die Darstellung vertikaler Geländeformen – Berge, Täler und Relief. In der historischen Kartografie oft schematisch oder symbolisch ausgeführt.
Geografisches Gradnetz
Ein System aus Breiten- und Längengraden zur Orientierung auf der Karte. Es wurde mit dem Fortschritt von Astronomie und Mathematik zunehmend präzisiert.