Beschreibung
Johann Baptist Homann – Astronomische Karte
Originale historische Karte
Titel: Systema solare et planetarium ex hypothesi Copernicana secundum elegantissimas illustrissimi quondam Hugenij deductiones novissime collectum & exhibitum.
Autor: Homann, Johann Baptist, 1663–1724.
Veröffentlicht: Amsterdam, I. Cóvens et C. Mortier, [1700].
Material: karte, handkolorierter Kupferstich, Papier.
Format: 490 x 580 mm.
Beschreibung: diese astronomische Karte stellt das heliozentrische Modell des Sonnensystems dar, basierend auf der kopernikanischen Theorie, ausgeführt in einer reich künstlerischen und didaktischen Form, die typisch für die Wende vom 17. zum 18. Jahrhundert ist. Johann Baptist Homann verbindet hier zeitgenössisches astronomisches Wissen mit barocker Bildsymbolik und schafft damit nicht nur ein wissenschaftliches Diagramm, sondern auch ein repräsentatives grafisches Werk.
Im Zentrum der Komposition steht die Sonne als Mittelpunkt des Universums, um die die Bahnen der einzelnen Planeten dargestellt sind. Die Umlaufbahnen sind durch detaillierte Erläuterungen, astronomische Anmerkungen und Schemata der Bewegung der Himmelskörper ergänzt. Das gesamte System ist von einem Tierkreisband mit allegorischen Darstellungen der einzelnen Sternzeichen umgeben, die die Astronomie mit der traditionellen astrologischen Symbolik verbinden.
Die Karte ist als umfassendes kosmologisches Bild konzipiert, in dem sich Wissenschaft, Glaube und Philosophie durchdringen. Radiale Strahlen, die vom Zentrum ausgehen, betonen symbolisch die göttliche Ordnung der Schöpfung, während lateinische Texte auf die Harmonie des Universums und die Rationalität der Naturgesetze verweisen. Im unteren Teil des Blattes befinden sich ergänzende Diagramme und figürliche Szenen, die die Darstellung um weitere astronomische und kosmografische Zusammenhänge erweitern.
Diese Karte wurde später auch in Homanns monumentalem Werk Grosser Atlas über die gantze Welt aus dem Jahr 1716 veröffentlicht, was ihre Bedeutung innerhalb seines kartografischen und kosmografischen Schaffens bestätigt. Das Werk ist ein repräsentatives Zeugnis einer Epoche, in der sich das heliozentrische Modell allmählich als allgemein akzeptiertes wissenschaftliches Konzept durchsetzte. Das Blatt diente als anschauliches Hilfsmittel für das Studium der Astronomie und Kosmologie.
Es zeigt, dass Historische Karten nicht nur die Geografie der Erde, sondern auch das damalige Bild des Universums umfassten. Als Beispiel hochwertiger Sammlereditionen historischer Karten dokumentiert dieses Blatt die Verbindung von Wissenschaft, Ästhetik und historischem Weltverständnis. Innerhalb der Kartografie gehören solche Darstellungen zu den bedeutenden astronomischen Karten, die das Verständnis des Kosmos in der frühen Neuzeit veranschaulichen.
Text: © Atelier Manufactura.
Bildquelle: © LOC, Washington.

















