Beschreibung
Louis-Charles Desnos – Karte des amerikanischen Kontinents
Originale historische Karte
Titel: Nle. carte d’Amerique : dressée sur les mémoires les plus récens et assujetie aux derniers observations astronomiques…/
Autor: Desnos, Louis-Charles, 1725–1805.
Veröffentlicht: Paris : L.C. Desnos, 1781.
Material: karte, handkolorierter Kupferstich, Papier.
Format: 890 x 950 mm.
Beschreibung: die Karte des amerikanischen Kontinents aus dem Jahr 1781 stellt ein repräsentatives Werk der französischen Kartografie des späten 18. Jahrhunderts dar, als die geografischen Kenntnisse über die westliche Hemisphäre rasch präzisiert wurden. Louis-Charles Desnos verarbeitete hier Nord- und Südamerika auf Grundlage der neuesten kartografischen und astronomischen Vermessungen seiner Zeit.
Die Karte zeigt den amerikanischen Kontinent einschließlich der Karibik, Mittelamerikas und der angrenzenden Ozeane innerhalb eines einheitlichen geografischen Netzes. Besonders hervorzuheben sind die Gliederung der kolonialen Gebiete, das detaillierte Flusssystem sowie die sorgfältige Darstellung der Küstenlinien, die das hohe Niveau der französischen Kartografie nach dem Siebenjährigen Krieg und während des Amerikanischen Unabhängigkeitskrieges widerspiegeln.
Der dekorative Rahmen mit zahlreichen Textkartuschen, Schiffen und allegorischen Szenen ist typisch für Karten, die nicht nur praktischen Zwecken dienten, sondern auch repräsentative und wissenschaftliche Funktionen erfüllten. Die Karte von Desnos verbindet wissenschaftliche Präzision mit einer reichen grafischen Gestaltung und zählt damit zu den gefragten historischen Karten des amerikanischen Kontinents.
Aus heutiger Sicht besitzt die Karte nicht nur kartografische, sondern auch historische Bedeutung – sie dokumentiert das europäische Verständnis Amerikas in einer Zeit grundlegender politischer und geografischer Veränderungen am Ende des 18. Jahrhunderts. Sie wird von Sammlern, Historikern und Liebhabern klassischer Kartengrafik geschätzt.
Als hochwertige Sammlereditionen historischer Karten vermitteln solche Werke einen authentischen Einblick in die Entwicklung europäischer Vorstellungen der Neuen Welt.
Text: © AtelierEdition.
Bildquelle: © LOC, Washington.
Kartografische Begriffe
Atlas
Eine Sammlung von Karten, die als zusammenhängendes Werk in Buchform veröffentlicht wurde. In der frühen Neuzeit stellte sie eine Synthese des geografischen Wissens ihrer Zeit dar.
Chorografische Karte
Eine Karte, die ein konkretes Gebiet mit Schwerpunkt auf Ortsnamen und regionaler Gliederung darstellt. Sie steht zwischen der topografischen und der allgemeinen geografischen Karte.
Geografische Projektion
Die Methode zur Übertragung der kugelförmigen Erdoberfläche auf eine ebene Karte. Jede Projektion verzerrt bestimmte Eigenschaften wie Fläche, Entfernung oder Winkel.
Kartusche
Ein dekorativer Rahmen, der den Titel der Karte, den Autor, das Datum oder eine Widmung enthält. Ein bedeutendes Gestaltungselement alter Karten, oft reich verziert.
Mappa mundi
Mittelalterliche schematische Weltkarten, die geografische Darstellung mit religiöser Deutung verbinden. Sie streben keine Genauigkeit an, sondern eine symbolische und kosmologische Darstellung der Welt.
Kupferstich
Eine grafische Technik, bei der das Bild in eine Kupferplatte graviert wird. Sie ermöglicht feine Linienführung und Detailreichtum, typisch für alte kartografische Blätter.
Parerg
Ein ergänzendes dekoratives oder informatives Element einer Karte, etwa eine Nebenkarte, ein Maßstab oder erklärende Legenden. Es ergänzt das Hauptkartenfeld und erweitert dessen Aussage.
Lageplan (Polohopis)
Die Darstellung horizontaler Elemente der Landschaft – Siedlungen, Flüsse, Wege und Grenzen. Eine grundlegende Komponente der kartografischen Beschreibung eines Gebiets.
Portolan
Ein früher Typ von Seekarte mit dichtem Netz von Kurslinien. Diente der Navigation im Mittelmeerraum und entlang der europäischen Küsten.
Revers
Die Rückseite eines Kartenblattes. Bei alten Karten enthält sie häufig einen beschreibenden Text über die dargestellte Region, meist in Latein oder einer Volkssprache.
Stich (Rytina)
Sammelbezeichnung für grafische Techniken, die auf dem Gravieren in eine Druckplatte basieren. Grundlegende Drucktechnik der Kartografie vor der Einführung der Lithografie.
Topografische Karte
Eine Karte, die Gelände, Siedlungen und natürliche Elemente detailliert darstellt. Sie gilt als Vorläufer moderner Karten mit Fokus auf Genauigkeit und Maßstab.
Vedute
Eine detaillierte Ansicht einer Stadt oder Landschaft, häufig aus der Vogelperspektive. Sie steht an der Schnittstelle zwischen Kartografie und bildender Kunst.
Höhenrelief (Výškopis)
Die Darstellung vertikaler Geländeformen – Berge, Täler und Relief. In der historischen Kartografie oft schematisch oder symbolisch ausgeführt.
Geografisches Gradnetz
Ein System aus Breiten- und Längengraden zur Orientierung auf der Karte. Es wurde mit dem Fortschritt von Astronomie und Mathematik zunehmend präzisiert.