Beschreibung
Philipp Eckebrecht – Weltkarte
Originale historische Karte
Titel: Noua orbis terrarum delineatio singulari ratione accommodata meridiano tabb. Rudolphi astronomicarum…/
Autor: Eckebrecht, Philipp, 1594–1667. Kepler, Johannes, 1571–1630.
Veröffentlicht: Nürnberg: Philippus Eckebrecht, 1630.
Material: karte, Papier.
Format: 440 x 720 mm.
Beschreibung: diese Weltkarte aus dem Jahr 1630, geschaffen von Philipp Eckebrecht in Verbindung mit den astronomischen Berechnungen von Johannes Kepler, stellt eine außergewöhnliche Verbindung von Kartografie und frühneuzeitlicher Astronomie dar und gehört zu den bedeutenden Historischen Weltkarten der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts. Das Werk wurde unter Berücksichtigung der Rudolphinischen Tafeln Tabulae Rudolphinae konzipiert, die zu den präzisesten astronomischen Berechnungen ihrer Zeit gehörten und das Verständnis geografischer Positionen sowie der Bewegung der Himmelskörper wesentlich beeinflussten.
Das Kartenbild ist in drei miteinander verbundene kreisförmige hemisphärische Projektionen gegliedert, die eine detaillierte Darstellung der gesamten Erdoberfläche ermöglichen. Die kartografische Konstruktion wurde an eine spezifische Auffassung von Meridianen und astronomischen Koordinaten angepasst, was das Streben nach maximaler Präzision widerspiegelt, die auf wissenschaftlichen Prinzipien und nicht lediglich auf traditioneller geografischer Überlieferung beruhte.
Ein bedeutendes Merkmal der Karte ist die reiche dekorative Gestaltung im Geist des frühen Barock, die jedoch ihren wissenschaftlichen Charakter nicht überlagert. Ornamentale Elemente, allegorische Motive und textliche Kartuschen rahmen die Karte und betonen zugleich ihren wissenschaftlichen Ursprung. Die Darstellung der Welt dient hier nicht nur als geografische Übersicht, sondern auch als visuelles Manifest der Verbindung von Astronomie, Mathematik und Kartografie.
Die Karte war Teil des berühmten Werkes „Tabulae Rudolphinae“, das zu Ehren Kaiser Rudolfs II. veröffentlicht wurde, und zählt zu den Höhepunkten der wissenschaftlichen Kartografie ihrer Zeit. Erhaltene Exemplare gelten heute als bedeutende Zeugnisse des Übergangs von traditioneller Kartografie zu einer modernen, wissenschaftlich fundierten Darstellung der Welt.
Als Beispiel hochwertiger Sammlereditionen historischer Karten verbindet dieses Werk wissenschaftliche Präzision, astronomische Erkenntnis und die repräsentative Ästhetik frühbarocker Kartografie.
Text: © AtelierEdition.
Bildquelle: © LOC, Washington.
Kartografische Begriffe
Atlas
Eine Sammlung von Karten, die als zusammenhängendes Werk in Buchform veröffentlicht wurde. In der frühen Neuzeit stellte sie eine Synthese des geografischen Wissens ihrer Zeit dar.
Chorografische Karte
Eine Karte, die ein konkretes Gebiet mit Schwerpunkt auf Ortsnamen und regionaler Gliederung darstellt. Sie steht zwischen der topografischen und der allgemeinen geografischen Karte.
Geografische Projektion
Die Methode zur Übertragung der kugelförmigen Erdoberfläche auf eine ebene Karte. Jede Projektion verzerrt bestimmte Eigenschaften wie Fläche, Entfernung oder Winkel.
Kartusche
Ein dekorativer Rahmen, der den Titel der Karte, den Autor, das Datum oder eine Widmung enthält. Ein bedeutendes Gestaltungselement alter Karten, oft reich verziert.
Mappa mundi
Mittelalterliche schematische Weltkarten, die geografische Darstellung mit religiöser Deutung verbinden. Sie streben keine Genauigkeit an, sondern eine symbolische und kosmologische Darstellung der Welt.
Kupferstich
Eine grafische Technik, bei der das Bild in eine Kupferplatte graviert wird. Sie ermöglicht feine Linienführung und Detailreichtum, typisch für alte kartografische Blätter.
Parerg
Ein ergänzendes dekoratives oder informatives Element einer Karte, etwa eine Nebenkarte, ein Maßstab oder erklärende Legenden. Es ergänzt das Hauptkartenfeld und erweitert dessen Aussage.
Lageplan (Polohopis)
Die Darstellung horizontaler Elemente der Landschaft – Siedlungen, Flüsse, Wege und Grenzen. Eine grundlegende Komponente der kartografischen Beschreibung eines Gebiets.
Portolan
Ein früher Typ von Seekarte mit dichtem Netz von Kurslinien. Diente der Navigation im Mittelmeerraum und entlang der europäischen Küsten.
Revers
Die Rückseite eines Kartenblattes. Bei alten Karten enthält sie häufig einen beschreibenden Text über die dargestellte Region, meist in Latein oder einer Volkssprache.
Stich (Rytina)
Sammelbezeichnung für grafische Techniken, die auf dem Gravieren in eine Druckplatte basieren. Grundlegende Drucktechnik der Kartografie vor der Einführung der Lithografie.
Topografische Karte
Eine Karte, die Gelände, Siedlungen und natürliche Elemente detailliert darstellt. Sie gilt als Vorläufer moderner Karten mit Fokus auf Genauigkeit und Maßstab.
Vedute
Eine detaillierte Ansicht einer Stadt oder Landschaft, häufig aus der Vogelperspektive. Sie steht an der Schnittstelle zwischen Kartografie und bildender Kunst.
Höhenrelief (Výškopis)
Die Darstellung vertikaler Geländeformen – Berge, Täler und Relief. In der historischen Kartografie oft schematisch oder symbolisch ausgeführt.
Geografisches Gradnetz
Ein System aus Breiten- und Längengraden zur Orientierung auf der Karte. Es wurde mit dem Fortschritt von Astronomie und Mathematik zunehmend präzisiert.