Beschreibung
Tobias Conrad Lotter – Weltkarte
Originale historische Karte
Titel: Mappa totius mundi : adornata juxta observationes dnn. academiae regalis scientiarum et nonnullorum aliorum secundum annotationes recentissimas…/
Autor: Lotter, Tobias Conrad, 1717–1777. L‘Isle, Guillaume de, 1675–1726.
Veröffentlicht: [Augsburg]: Prostat nunc in officina Tobiae Conradi Lotter, [1775?]
Material: karte, handkoloriert, Papier.
Format: 500 x 680 cm.
Beschreibung: diese Weltkarte aus der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts basiert auf den modernisierten geografischen Erkenntnissen ihrer Zeit und stützt sich auf die Arbeiten führender europäischer Geografen, insbesondere Guillaume de L’Isle. Die doppelseitige Darstellung der Erde in ovaler Projektion betont das Streben nach präziseren Proportionen der Kontinente und einer ausgewogenen Sicht auf beide Hemisphären.
Das Kartenbild wird durch dekorative Elemente ergänzt, die typisch für die Augsburger kartografische Produktion sind, darunter allegorische Motive und kreisförmige Insets mit astronomischen Schemata. Küstenlinien, Flusssysteme und die wichtigsten geografischen Einheiten sind mit besonderem Augenmerk auf Übersichtlichkeit und Systematik ausgeführt, was den Übergang von barocker Dekorativität zu aufklärerischer Sachlichkeit widerspiegelt.
Das Werk wurde als Teil eines umfangreichen Atlaswerkes veröffentlicht und stellt ein repräsentatives Beispiel spätbarocker bis frühaufklärerischer Kartografie dar. Die Karte gehört zu den gefragten Werken innerhalb des fachlichen und sammlerischen Interesses an Historischen Weltkarten.
Als hochwertige Sammlereditionen historischer Karten dokumentieren solche Werke die Entwicklung geografischen Wissens sowie den Wandel kartografischer Ästhetik zwischen Barock und Aufklärung.
Text: © AtelierEdition.
Bildquelle: © LOC, Washington.
Kartografische Begriffe
Atlas
Eine Sammlung von Karten, die als zusammenhängendes Werk in Buchform veröffentlicht wurde. In der frühen Neuzeit stellte sie eine Synthese des geografischen Wissens ihrer Zeit dar.
Chorografische Karte
Eine Karte, die ein konkretes Gebiet mit Schwerpunkt auf Ortsnamen und regionaler Gliederung darstellt. Sie steht zwischen der topografischen und der allgemeinen geografischen Karte.
Geografische Projektion
Die Methode zur Übertragung der kugelförmigen Erdoberfläche auf eine ebene Karte. Jede Projektion verzerrt bestimmte Eigenschaften wie Fläche, Entfernung oder Winkel.
Kartusche
Ein dekorativer Rahmen, der den Titel der Karte, den Autor, das Datum oder eine Widmung enthält. Ein bedeutendes Gestaltungselement alter Karten, oft reich verziert.
Mappa mundi
Mittelalterliche schematische Weltkarten, die geografische Darstellung mit religiöser Deutung verbinden. Sie streben keine Genauigkeit an, sondern eine symbolische und kosmologische Darstellung der Welt.
Kupferstich
Eine grafische Technik, bei der das Bild in eine Kupferplatte graviert wird. Sie ermöglicht feine Linienführung und Detailreichtum, typisch für alte kartografische Blätter.
Parerg
Ein ergänzendes dekoratives oder informatives Element einer Karte, etwa eine Nebenkarte, ein Maßstab oder erklärende Legenden. Es ergänzt das Hauptkartenfeld und erweitert dessen Aussage.
Lageplan (Polohopis)
Die Darstellung horizontaler Elemente der Landschaft – Siedlungen, Flüsse, Wege und Grenzen. Eine grundlegende Komponente der kartografischen Beschreibung eines Gebiets.
Portolan
Ein früher Typ von Seekarte mit dichtem Netz von Kurslinien. Diente der Navigation im Mittelmeerraum und entlang der europäischen Küsten.
Revers
Die Rückseite eines Kartenblattes. Bei alten Karten enthält sie häufig einen beschreibenden Text über die dargestellte Region, meist in Latein oder einer Volkssprache.
Stich (Rytina)
Sammelbezeichnung für grafische Techniken, die auf dem Gravieren in eine Druckplatte basieren. Grundlegende Drucktechnik der Kartografie vor der Einführung der Lithografie.
Topografische Karte
Eine Karte, die Gelände, Siedlungen und natürliche Elemente detailliert darstellt. Sie gilt als Vorläufer moderner Karten mit Fokus auf Genauigkeit und Maßstab.
Vedute
Eine detaillierte Ansicht einer Stadt oder Landschaft, häufig aus der Vogelperspektive. Sie steht an der Schnittstelle zwischen Kartografie und bildender Kunst.
Höhenrelief (Výškopis)
Die Darstellung vertikaler Geländeformen – Berge, Täler und Relief. In der historischen Kartografie oft schematisch oder symbolisch ausgeführt.
Geografisches Gradnetz
Ein System aus Breiten- und Längengraden zur Orientierung auf der Karte. Es wurde mit dem Fortschritt von Astronomie und Mathematik zunehmend präzisiert.