Beschreibung
Tobias Conrad Lotter – Karte von Palästina
Originale historische Karte
Titel: Terra Sancta sive Palæstina exhibens no folum Regna vetera Iuda et Israel in fuas XII Tribus diftincta, fed etiam eorundem diverfarum ætatum conditionem et facta in Sacris Paginis indicata.
Autor: Lotter, Tobias Conrad, 1717–1777.
Veröffentlicht: cca 1759.
Material: Karte, handkoloriert, Papier.
Format: 470 x 570 mm.
Beschreibung: diese Karte des Heiligen Landes aus der Mitte des 18. Jahrhunderts stellt eine kartografische Darstellung Palästinas dar, die auf der biblischen und historischen Tradition basiert, wie sie im frühaufklärerischen Europa verstanden wurde. Das Gebiet ist entsprechend der zwölf israelitischen Stämme unterteilt und farblich hervorgehoben, wie sie in den alttestamentlichen Texten beschrieben werden.
Das Kartenbild verfolgt nicht nur die Geografie der Region zwischen Mittelmeer, Jordan und Totem Meer, sondern interpretiert zugleich visuell die Geschichte des antiken Israel und Juda. Auf diese Weise spiegelt die Karte die Vorstellung einer Kontinuität jüdischer Besiedlung sowie das Verständnis der Juden als ursprüngliche Bewohner dieses Gebietes wider, wie es die biblische und historische Tradition des 18. Jahrhunderts kannte.
Dekorative Kartuschen, lateinische Beschriftungen und symbolische Elemente betonen die sakrale Bedeutung der Landschaft und ihre zentrale Rolle in der Geschichte des Judentums und des Christentums. Die Karte dient somit nicht nur als geografischer Überblick, sondern auch als historisch-theologische Interpretation des Raumes.
Das Werk gehört zu den repräsentativen Beispielen kartografischer Darstellungen des Nahen Ostens und ist eine gefragte Quelle innerhalb des fachlichen und sammlerischen Interesses an historischen Karten.
Als hochwertige Sammlereditionen dokumentieren solche Werke die europäische Wahrnehmung des Heiligen Landes und die Verbindung von Kartografie, Religion und Geschichtsbewusstsein im 18. Jahrhundert.
Text: © AtelierEdition.
Bildquelle: © Library of Congress.
Kartografische Begriffe
Atlas
Eine Sammlung von Karten, die als zusammenhängendes Werk in Buchform veröffentlicht wurde. In der frühen Neuzeit stellte sie eine Synthese des geografischen Wissens ihrer Zeit dar.
Chorografische Karte
Eine Karte, die ein konkretes Gebiet mit Schwerpunkt auf Ortsnamen und regionaler Gliederung darstellt. Sie steht zwischen der topografischen und der allgemeinen geografischen Karte.
Geografische Projektion
Die Methode zur Übertragung der kugelförmigen Erdoberfläche auf eine ebene Karte. Jede Projektion verzerrt bestimmte Eigenschaften wie Fläche, Entfernung oder Winkel.
Kartusche
Ein dekorativer Rahmen, der den Titel der Karte, den Autor, das Datum oder eine Widmung enthält. Ein bedeutendes Gestaltungselement alter Karten, oft reich verziert.
Mappa mundi
Mittelalterliche schematische Weltkarten, die geografische Darstellung mit religiöser Deutung verbinden. Sie streben keine Genauigkeit an, sondern eine symbolische und kosmologische Darstellung der Welt.
Kupferstich
Eine grafische Technik, bei der das Bild in eine Kupferplatte graviert wird. Sie ermöglicht feine Linienführung und Detailreichtum, typisch für alte kartografische Blätter.
Parerg
Ein ergänzendes dekoratives oder informatives Element einer Karte, etwa eine Nebenkarte, ein Maßstab oder erklärende Legenden. Es ergänzt das Hauptkartenfeld und erweitert dessen Aussage.
Lageplan (Polohopis)
Die Darstellung horizontaler Elemente der Landschaft – Siedlungen, Flüsse, Wege und Grenzen. Eine grundlegende Komponente der kartografischen Beschreibung eines Gebiets.
Portolan
Ein früher Typ von Seekarte mit dichtem Netz von Kurslinien. Diente der Navigation im Mittelmeerraum und entlang der europäischen Küsten.
Revers
Die Rückseite eines Kartenblattes. Bei alten Karten enthält sie häufig einen beschreibenden Text über die dargestellte Region, meist in Latein oder einer Volkssprache.
Stich (Rytina)
Sammelbezeichnung für grafische Techniken, die auf dem Gravieren in eine Druckplatte basieren. Grundlegende Drucktechnik der Kartografie vor der Einführung der Lithografie.
Topografische Karte
Eine Karte, die Gelände, Siedlungen und natürliche Elemente detailliert darstellt. Sie gilt als Vorläufer moderner Karten mit Fokus auf Genauigkeit und Maßstab.
Vedute
Eine detaillierte Ansicht einer Stadt oder Landschaft, häufig aus der Vogelperspektive. Sie steht an der Schnittstelle zwischen Kartografie und bildender Kunst.
Höhenrelief (Výškopis)
Die Darstellung vertikaler Geländeformen – Berge, Täler und Relief. In der historischen Kartografie oft schematisch oder symbolisch ausgeführt.
Geografisches Gradnetz
Ein System aus Breiten- und Längengraden zur Orientierung auf der Karte. Es wurde mit dem Fortschritt von Astronomie und Mathematik zunehmend präzisiert.