Beschreibung
Guillaume de L‘Isle – Karte des Nahen Ostens
Originale historische Karte
Titel: Map of Turky [sic], Arabia and Persia.
Autor: L‘Isle, Guillaume de, 1675–1726. Senex, John, ?–1740.
Veröffentlicht: London: D. Browne, 1721.
Material: handkolorierte Kupferstichkarte, Papier.
Format: 460 × 550 mm.
Beschreibung: diese Karte des Nahen Ostens aus dem frühen 18. Jahrhundert zeigt das Gebiet des Osmanischen Reiches, der Arabischen Halbinsel und Persiens in einer Zeit zunehmender europäischer geographischer und politischer Interessen an der Region. Die kartografische Darstellung basiert auf den Prinzipien der französischen wissenschaftlichen Kartografie und legt besonderen Wert auf eine systematische Ordnung des Raumes.
Das Kartenbild umfasst den Raum vom östlichen Mittelmeer über Anatolien, Mesopotamien und den Persischen Golf bis in das Innere Persiens. Politische Grenzen sind durch Flächenkolorit hervorgehoben, während Flusssysteme, Küstenlinien und bedeutende Städte mit einer für die Zeit bemerkenswerten Präzision wiedergegeben werden.
Das Werk spiegelt das europäische Verständnis des Nahen Ostens zu Beginn des 18. Jahrhunderts wider, als Karten zunehmend nicht nur der geografischen Orientierung dienten, sondern auch politische und wirtschaftliche Interessen visualisierten. Die Zusammenarbeit von Guillaume de L’Isle und John Senex verbindet die französische wissenschaftliche Kartografie mit der englischen Verlagstradition.
Die Karte zählt zu den bedeutenden historischen Darstellungen des Vorderen Orients und gehört heute zu den gesuchten Beispielen europäischer Kartografie im Rahmen des Sammler- und Forschungsinteresses an historischen Karten.
Text: © AtelierEdition
Bildquelle: © Historický ústav Akademie věd ČR, Prag
Kartografische Begriffe
Atlas
Eine Sammlung von Karten, die als zusammenhängendes Werk in Buchform veröffentlicht wurde. In der frühen Neuzeit stellte sie eine Synthese des geografischen Wissens ihrer Zeit dar.
Chorografische Karte
Eine Karte, die ein konkretes Gebiet mit Schwerpunkt auf Ortsnamen und regionaler Gliederung darstellt. Sie steht zwischen der topografischen und der allgemeinen geografischen Karte.
Geografische Projektion
Die Methode zur Übertragung der kugelförmigen Erdoberfläche auf eine ebene Karte. Jede Projektion verzerrt bestimmte Eigenschaften wie Fläche, Entfernung oder Winkel.
Kartusche
Ein dekorativer Rahmen, der den Titel der Karte, den Autor, das Datum oder eine Widmung enthält. Ein bedeutendes Gestaltungselement alter Karten, oft reich verziert.
Mappa mundi
Mittelalterliche schematische Weltkarten, die geografische Darstellung mit religiöser Deutung verbinden. Sie streben keine Genauigkeit an, sondern eine symbolische und kosmologische Darstellung der Welt.
Kupferstich
Eine grafische Technik, bei der das Bild in eine Kupferplatte graviert wird. Sie ermöglicht feine Linienführung und Detailreichtum, typisch für alte kartografische Blätter.
Parerg
Ein ergänzendes dekoratives oder informatives Element einer Karte, etwa eine Nebenkarte, ein Maßstab oder erklärende Legenden. Es ergänzt das Hauptkartenfeld und erweitert dessen Aussage.
Lageplan (Polohopis)
Die Darstellung horizontaler Elemente der Landschaft – Siedlungen, Flüsse, Wege und Grenzen. Eine grundlegende Komponente der kartografischen Beschreibung eines Gebiets.
Portolan
Ein früher Typ von Seekarte mit dichtem Netz von Kurslinien. Diente der Navigation im Mittelmeerraum und entlang der europäischen Küsten.
Revers
Die Rückseite eines Kartenblattes. Bei alten Karten enthält sie häufig einen beschreibenden Text über die dargestellte Region, meist in Latein oder einer Volkssprache.
Stich (Rytina)
Sammelbezeichnung für grafische Techniken, die auf dem Gravieren in eine Druckplatte basieren. Grundlegende Drucktechnik der Kartografie vor der Einführung der Lithografie.
Topografische Karte
Eine Karte, die Gelände, Siedlungen und natürliche Elemente detailliert darstellt. Sie gilt als Vorläufer moderner Karten mit Fokus auf Genauigkeit und Maßstab.
Vedute
Eine detaillierte Ansicht einer Stadt oder Landschaft, häufig aus der Vogelperspektive. Sie steht an der Schnittstelle zwischen Kartografie und bildender Kunst.
Höhenrelief (Výškopis)
Die Darstellung vertikaler Geländeformen – Berge, Täler und Relief. In der historischen Kartografie oft schematisch oder symbolisch ausgeführt.
Geografisches Gradnetz
Ein System aus Breiten- und Längengraden zur Orientierung auf der Karte. Es wurde mit dem Fortschritt von Astronomie und Mathematik zunehmend präzisiert.