Beschreibung
Paolo Forlani – Weltkarte
Originale historische Karte
Titel: Vniversale descrittione di tvtta la terra conoscivta fin qvi.
Autor: Forlani, Paolo. Bertelli, Ferando.
Veröffentlicht: Benátky: F. Berteli, 1565.
Material/Format: handkolorierte Karte, Papier, 410 x 750 mm.
Beschreibung: diese frühneuzeitliche Weltkarte gehört zu den bedeutenden kartografischen Werken der venezianischen Schule des 16. Jahrhunderts. Paolo Forlani greift hier auf die geografischen Erkenntnisse und kartografischen Vorlagen von Giacomo Gastaldi zurück, einem der bedeutendsten Kartografen seiner Zeit, und überführt sie in die Form einer großformatigen Weltkarte, die sowohl für Studienzwecke als auch für repräsentative Nutzung bestimmt war.
Die Karte zeigt die damals bekannte Welt in einem ovalen Projektionsrahmen mit besonderem Schwerpunkt auf den Konturen der Kontinente, Küstenlinien und den wichtigsten geografischen Einheiten. Amerika ist als zwei getrennte Kontinente dargestellt, wobei ihre Form noch die frühen Phasen der Erkenntnis der Neuen Welt widerspiegelt. Asien und Afrika sind im Landesinneren mit zahlreichen Ungenauigkeiten versehen, die typisch für die Mitte des 16. Jahrhunderts sind, während die Küstenlinien bereits eine relativ hohe Genauigkeit aufweisen.
Das Kartenbild wird durch eine reiche dekorative Ausstattung in Form von Schiffen, Meereswesen und allegorischen Motiven ergänzt, die das Renaissanceverständnis der Karte als Synthese aus Wissenschaft, Ästhetik und symbolischer Interpretation der Welt unterstreichen. Die ornamentalen Elemente dienten zugleich der Ausfüllung großer Ozeanflächen und erhöhten die visuelle Attraktivität des Blattes.
Forlanis Weltkarte stellt ein bedeutendes Zeugnis der Verbreitung geografischer Kenntnisse während der Zeit der Entdeckungsreisen dar und zeigt zugleich, wie ältere kartografische Konzepte schrittweise aktualisiert und von neuen Autoren neu interpretiert wurden. Das Werk gehört zu den gesuchten Beispielen früher gedruckter Weltkartografie und ist ein repräsentatives Beispiel dafür, wie Historische Karten praktische Orientierung mit dekorativer und symbolischer Funktion verbanden.
Als hochwertige Sammlereditionen historischer Karten dokumentieren solche Werke die Entwicklung des geografischen Wissens in der frühen Neuzeit und die Verbindung von Wissenschaft, Kunst und Repräsentation.
Text: © AtelierEdition.
Bildquelle: © LOC, Washington.
Kartografische Begriffe
Atlas
Eine Sammlung von Karten, die als zusammenhängendes Werk in Buchform veröffentlicht wurde. In der frühen Neuzeit stellte sie eine Synthese des geografischen Wissens ihrer Zeit dar.
Chorografische Karte
Eine Karte, die ein konkretes Gebiet mit Schwerpunkt auf Ortsnamen und regionaler Gliederung darstellt. Sie steht zwischen der topografischen und der allgemeinen geografischen Karte.
Geografische Projektion
Die Methode zur Übertragung der kugelförmigen Erdoberfläche auf eine ebene Karte. Jede Projektion verzerrt bestimmte Eigenschaften wie Fläche, Entfernung oder Winkel.
Kartusche
Ein dekorativer Rahmen, der den Titel der Karte, den Autor, das Datum oder eine Widmung enthält. Ein bedeutendes Gestaltungselement alter Karten, oft reich verziert.
Mappa mundi
Mittelalterliche schematische Weltkarten, die geografische Darstellung mit religiöser Deutung verbinden. Sie streben keine Genauigkeit an, sondern eine symbolische und kosmologische Darstellung der Welt.
Kupferstich
Eine grafische Technik, bei der das Bild in eine Kupferplatte graviert wird. Sie ermöglicht feine Linienführung und Detailreichtum, typisch für alte kartografische Blätter.
Parerg
Ein ergänzendes dekoratives oder informatives Element einer Karte, etwa eine Nebenkarte, ein Maßstab oder erklärende Legenden. Es ergänzt das Hauptkartenfeld und erweitert dessen Aussage.
Lageplan (Polohopis)
Die Darstellung horizontaler Elemente der Landschaft – Siedlungen, Flüsse, Wege und Grenzen. Eine grundlegende Komponente der kartografischen Beschreibung eines Gebiets.
Portolan
Ein früher Typ von Seekarte mit dichtem Netz von Kurslinien. Diente der Navigation im Mittelmeerraum und entlang der europäischen Küsten.
Revers
Die Rückseite eines Kartenblattes. Bei alten Karten enthält sie häufig einen beschreibenden Text über die dargestellte Region, meist in Latein oder einer Volkssprache.
Stich (Rytina)
Sammelbezeichnung für grafische Techniken, die auf dem Gravieren in eine Druckplatte basieren. Grundlegende Drucktechnik der Kartografie vor der Einführung der Lithografie.
Topografische Karte
Eine Karte, die Gelände, Siedlungen und natürliche Elemente detailliert darstellt. Sie gilt als Vorläufer moderner Karten mit Fokus auf Genauigkeit und Maßstab.
Vedute
Eine detaillierte Ansicht einer Stadt oder Landschaft, häufig aus der Vogelperspektive. Sie steht an der Schnittstelle zwischen Kartografie und bildender Kunst.
Höhenrelief (Výškopis)
Die Darstellung vertikaler Geländeformen – Berge, Täler und Relief. In der historischen Kartografie oft schematisch oder symbolisch ausgeführt.
Geografisches Gradnetz
Ein System aus Breiten- und Längengraden zur Orientierung auf der Karte. Es wurde mit dem Fortschritt von Astronomie und Mathematik zunehmend präzisiert.