Beschreibung
Johann Baptist Homann – Asienkarte
Originale historische Karte
Titel: Asiae recentissima delineatio, qua status et imperia totius orientis unacum orientalibus indiis exhibentur…/
Autor: Homann, Johann Baptist, 1663–1724.
Veröffentlicht: Nürnberg, um 1700.
Material: karte, handkolorierter Kupferstich, Papier.
Format: 480 x 570 mm.
Beschreibung: diese repräsentative barocke Asienkarte aus dem frühen 18. Jahrhundert entstand in der Nürnberger kartografischen Werkstatt von Johann Baptist Homann. Das Kartenbild zeigt den gesamten asiatischen Kontinent einschließlich des Nahen Ostens, Indiens, Chinas, Südostasiens und angrenzender Inselregionen, wobei die einzelnen politischen Gebiete durch flächige Handkolorierung unterschieden werden.
Die Karte entstand in einer Zeit, in der sich die europäische Kartografie auf eine Kombination aus älteren klassischen Autoritäten, frühneuzeitlichen Reiseberichten und Nachrichten der Handelsgesellschaften stützte. Homann präsentiert Asien hier als ein Gefüge von Reichen und Staaten mit klar markierten Grenzen, dichtem Flusssystem und bedeutenden Siedlungsstrukturen. Besondere Aufmerksamkeit gilt Indien, China und den Regionen entlang der wichtigsten Handelsrouten, die für Europa von zentraler wirtschaftlicher und strategischer Bedeutung waren.
Die kartografische Darstellung wird durch eine reiche barocke Ausstattung ergänzt. Im unteren Teil des Blattes befindet sich eine dekorative Kartusche mit allegorischen Figuren und Symbolen von Macht und Handel, die die Bedeutung Asiens als Quelle von Reichtum, exotischen Waren und kultureller Inspiration hervorheben. Im rechten oberen Bereich ist eine Textkartusche mit erläuterndem lateinischem Text angebracht, wie sie typisch für Homanns Produktion ist.
Die Karte stellt nicht nur einen geografischen Überblick über die damaligen Vorstellungen von Asien dar, sondern zugleich ein politisches Bild der Welt an der Wende vom 17. zum 18. Jahrhundert. Das Werk ist ein Beispiel hochbarocker Kartografie, die Präzision, Repräsentation und visuelle Wirkung miteinander verband und sowohl für Gelehrte als auch für adelige und höfische Sammlungen bestimmt war. Das Werk zeigt beispielhaft, wie Historische Karten die europäische Vorstellung ferner Kontinente prägten.
Als hochwertige Sammlereditionen historischer Karten dokumentieren solche Werke die Entwicklung europäischer Kenntnisse über Asien und die repräsentative Kartografie des Barock.
Text: © AtelierEdition.
Bildquelle: © LOC, Washington.
Kartografische Begriffe
Atlas
Eine Sammlung von Karten, die als zusammenhängendes Werk in Buchform veröffentlicht wurde. In der frühen Neuzeit stellte sie eine Synthese des geografischen Wissens ihrer Zeit dar.
Chorografische Karte
Eine Karte, die ein konkretes Gebiet mit Schwerpunkt auf Ortsnamen und regionaler Gliederung darstellt. Sie steht zwischen der topografischen und der allgemeinen geografischen Karte.
Geografische Projektion
Die Methode zur Übertragung der kugelförmigen Erdoberfläche auf eine ebene Karte. Jede Projektion verzerrt bestimmte Eigenschaften wie Fläche, Entfernung oder Winkel.
Kartusche
Ein dekorativer Rahmen, der den Titel der Karte, den Autor, das Datum oder eine Widmung enthält. Ein bedeutendes Gestaltungselement alter Karten, oft reich verziert.
Mappa mundi
Mittelalterliche schematische Weltkarten, die geografische Darstellung mit religiöser Deutung verbinden. Sie streben keine Genauigkeit an, sondern eine symbolische und kosmologische Darstellung der Welt.
Kupferstich
Eine grafische Technik, bei der das Bild in eine Kupferplatte graviert wird. Sie ermöglicht feine Linienführung und Detailreichtum, typisch für alte kartografische Blätter.
Parerg
Ein ergänzendes dekoratives oder informatives Element einer Karte, etwa eine Nebenkarte, ein Maßstab oder erklärende Legenden. Es ergänzt das Hauptkartenfeld und erweitert dessen Aussage.
Lageplan (Polohopis)
Die Darstellung horizontaler Elemente der Landschaft – Siedlungen, Flüsse, Wege und Grenzen. Eine grundlegende Komponente der kartografischen Beschreibung eines Gebiets.
Portolan
Ein früher Typ von Seekarte mit dichtem Netz von Kurslinien. Diente der Navigation im Mittelmeerraum und entlang der europäischen Küsten.
Revers
Die Rückseite eines Kartenblattes. Bei alten Karten enthält sie häufig einen beschreibenden Text über die dargestellte Region, meist in Latein oder einer Volkssprache.
Stich (Rytina)
Sammelbezeichnung für grafische Techniken, die auf dem Gravieren in eine Druckplatte basieren. Grundlegende Drucktechnik der Kartografie vor der Einführung der Lithografie.
Topografische Karte
Eine Karte, die Gelände, Siedlungen und natürliche Elemente detailliert darstellt. Sie gilt als Vorläufer moderner Karten mit Fokus auf Genauigkeit und Maßstab.
Vedute
Eine detaillierte Ansicht einer Stadt oder Landschaft, häufig aus der Vogelperspektive. Sie steht an der Schnittstelle zwischen Kartografie und bildender Kunst.
Höhenrelief (Výškopis)
Die Darstellung vertikaler Geländeformen – Berge, Täler und Relief. In der historischen Kartografie oft schematisch oder symbolisch ausgeführt.
Geografisches Gradnetz
Ein System aus Breiten- und Längengraden zur Orientierung auf der Karte. Es wurde mit dem Fortschritt von Astronomie und Mathematik zunehmend präzisiert.