Beschreibung
Utagawa Toyokuni – Bandō Mitsugorō und Bandō Minosuke
Originaler japanischer Holzschnitt
Autor: Utagawa Toyokuni (ca. 1777–1835).
Titel: Bandō Mitsugorō to Bandō Minosuke (坂東三津五郎と坂東蓑助).
Erstellt/veröffentlicht: zwischen 1826–1831.
Technik: farbholzschnitt.
Format: horizontales ōban nishiki-e (25,4 × 38 cm).
Beschreibung: der farbige Holzschnitt „Bandō Mitsugorō und Bandō Minosuke“ (Bandō Mitsugorō to Bandō Minosuke) gehört zu den markanten Beispielen von Schauspielerporträts (yakusha-e) Utagawa Toyokunis aus seiner reifen Schaffensperiode. Das Blatt zeigt zwei berühmte Kabuki-Darsteller ihrer Zeit in einer dramatischen Haltung, die sowohl ihr Bühnencharisma als auch die Individualität ihres schauspielerischen Ausdrucks betont. Es steht in der Tradition der japanischen Holzschnitte, die das urbane Kulturleben Edos widerspiegeln.
Beide Figuren erscheinen in reich verzierten Kostümen mit auffälligen geometrischen und floralen Mustern, ergänzt durch theatralische Requisiten und stilisierte Waffen. Die Gestalten treten vor einem dunklen, wirbelnden Wolkenhintergrund hervor, der die dramatische Wirkung der Szene steigert und einen spannungsgeladenen Moment des Bühnengeschehens evoziert. Toyokuni nutzt den Kontrast kräftiger Farben, scharfer Linien und ornamentaler Details, um eine starke visuelle Dynamik zu erzeugen.
Der Gesichtsausdruck, die Handgesten und die festen Standpositionen sind entscheidend für das Verständnis des Bildes. Die übersteigerte Mimik und stilisierte Gestik entsprechen der Ästhetik des Kabuki-Theaters, in dem Emotionen durch markante Posen und klar lesbare Zeichen vermittelt werden. Toyokuni wurde für seine Fähigkeit geschätzt, nicht nur die physische Erscheinung des Schauspielers, sondern auch den Charakter der dargestellten Rolle einzufangen, was seine Drucke zu begehrten Erinnerungsstücken an Theateraufführungen machte.
Das Werk dokumentiert zugleich die enge Verbindung zwischen der Welt des Kabuki und der städtischen Kultur Edos. Drucke dieser Art dienten der Verbreitung schauspielerischer Berühmtheit und als visuelles Gedächtnis populärer Inszenierungen. „Bandō Mitsugorō und Bandō Minosuke“ stellt somit ein typisches, zugleich jedoch qualitativ herausragendes Beispiel des Genres yakusha-e dar und bestätigt Toyokunis zentrale Rolle in dessen Entwicklung.
Text: © AtelierEdition
Bildquelle: © The Metropolitan Museum of Art
Utagawa Toyokuni
Utagawa Toyokuni (1769–1825) gehörte zu den bedeutendsten japanischen Holzschnittkünstlern der Edo-Zeit und war eine zentrale Persönlichkeit der Utagawa-Schule. Berühmt wurde er vor allem als Meister des Genres yakusha-e, der Schauspielerporträts des Kabuki-Theaters, in denen er realistische Wiedergabe mit ausgeprägter theatralischer Stilisierung verband.
Toyokuni wirkte überwiegend in Edo und schuf im Verlauf seiner Karriere ein umfangreiches Werk, das die Entwicklung des Schauspielerporträts an der Wende vom 18. zum 19. Jahrhundert maßgeblich prägte. Im Gegensatz zu idealisierten Typendarstellungen konzentrierte er sich auf die Individualität der Darsteller, ihre charakteristischen Gesichtszüge, Gesten und mimischen Ausdrucksformen und machte damit die Welt des Kabuki einem breiten Publikum der städtischen Kultur zugänglich.
Seine Arbeiten zeichnen sich durch eine reiche Ausgestaltung der Kostüme, dynamische Körperhaltungen und dramatische Kompositionen aus, die die Energie der Theateraufführung widerspiegeln. Toyokunis Ansatz wurde zum Vorbild für nachfolgende Generationen von Künstlern der Utagawa-Schule, darunter Kunisada und Kuniyoshi, und legte die Grundlagen für die visuelle Form des Kabuki-Porträts im ukiyo-e. Sein Werk steht exemplarisch innerhalb der Welt der japanischen Holzschnitte.
Die Werke Utagawa Toyokunis sind heute in den wichtigsten internationalen Sammlungen japanischer Kunst vertreten, darunter im The Metropolitan Museum of Art in New York, im British Museum in London, im Museum of Fine Arts in Boston und im Tokyo National Museum. Für das deutsche Publikum ist besonders hervorzuheben, dass repräsentative Beispiele seiner Farbholzschnitte in der Sammlung des Museum für Ostasiatische Kunst in Köln sowie im Museum für Kunst und Gewerbe in Hamburg bewahrt werden.
Toyokuni gilt als einer der Hauptbegründer des eigenständigen Schauspielerporträts als künstlerisches Genre und als entscheidende Figur für die Ausbildung der Bildsprache des japanischen Holzschnitts im 19. Jahrhundert.
Japanische Begriffe
Bijin-ga (美人画)
„Bilder schöner Frauen“ – Darstellungen von Kurtisanen, Geishas und dem Ideal weiblicher Schönheit.
Betonen Eleganz, Mode, Frisuren und die feine Psychologie der dargestellten Figuren.
Bokashi (ぼかし)
Technik des fließenden Farbverlaufs ohne harte Kanten.
Wird für Himmel, Wasser oder atmosphärische Effekte verwendet.
Diptychon
Zweiteiliges Blatt, das eine gemeinsame Bildkomposition bildet.
Häufig bei dramatischen Szenen und Schauspielerporträts.
Fūkei-ga (風景画)
Landschaftsholzschnitte mit Darstellungen von Natur, Städten und Reiserouten.
Ein Genre, das durch Meister wie Hiroshige und Hokusai berühmt wurde.
Hangi (版木)
Hölzerner Druckstock, in den das Bild eingeschnitten wird.
Für jede Farbe ist ein eigener hangi erforderlich.
Karazuri (空摺)
Blinddruck – Druck ohne Farbe zur Erzeugung eines Reliefs auf dem Papier.
Wird häufig bei luxuriösen Drucken und surimono eingesetzt.
Kabuki (歌舞伎)
Traditionelles japanisches Theater mit ausdrucksstarkem Spiel und stilisierten Kostümen.
Kabuki-Schauspieler gehörten zu den beliebtesten Motiven des ukiyo-e.
Kachō-ga (花鳥画)
Genre mit Darstellungen von Blumen und Vögeln, oft mit symbolischer Bedeutung.
Besonders beliebt im späten ukiyo-e und im modernen Holzschnitt.
Kento (見当)
Passmarken, die in den Druckstock geschnitten werden, um die Farben exakt auszurichten.
Sie gewährleisten die korrekte Überlagerung der einzelnen Druckplatten.
Meisho-e (名所絵)
Darstellungen berühmter Orte Japans – Tempel, Brücken und Landschaften.
Oft verbunden mit Reisen und saisonalen Motiven.
Nishiki-e (錦絵)
Mehrfarbiger japanischer Holzschnitt, gedruckt von mehreren Druckstöcken, von denen jeder eine Farbe trägt.
Diese Technik ermöglichte die reiche Farbigkeit und den Detailreichtum des klassischen ukiyo-e.
Ōban (大判)
Standardformat des Holzschnitts mit etwa 25 × 38 cm.
Wurde vor allem für Schauspielerporträts, Kurtisanen und Landschaften verwendet.
Ōban nishiki-e
Farbholzschnitt in der Technik des nishiki-e im Format Ōban.
Der verbreitetste Typ des klassischen japanischen Holzschnitts.
Sumizuri-e (墨摺絵)
Einfarbige Drucke, die ausschließlich mit schwarzer Tusche ausgeführt wurden.
Vorläufer der mehrfarbigen nishiki-e.
Surimono (摺物)
Luxuriöse, privat herausgegebene Holzschnitte für einen kleinen Kreis von Kennern.
Zeichnen sich durch feinen Druck, Blindprägung und kostbare Pigmente aus.
Triptychon
Komposition aus drei einzelnen Drucken, die zusammen ein Bild ergeben.
Wurde für Schlachten, Feste und großformatige erzählerische Szenen verwendet.
Ukiyo (浮世)
„Vergängliche Welt“ der städtischen Vergnügungen, Theater und Genüsse der Edo-Zeit.
Philosophische Grundlage, aus der das ukiyo-e hervorging.
Ukiyo-e (浮世絵)
„Bilder der vergänglichen Welt“ – japanische Holzschnitte der Edo- und Meiji-Zeit mit Darstellungen schöner Frauen, Kabuki-Schauspieler, Landschaften und des Alltagslebens.
Ukiyo-e prägte die visuelle Kultur Japans und beeinflusste maßgeblich die europäische Kunst des 19. Jahrhunderts.
Washi (和紙)
Traditionelles japanisches handgeschöpftes Papier aus Maulbeerfasern.
Es zeichnet sich durch Festigkeit, Elastizität und lange Haltbarkeit aus.
Yakusha-e (役者絵)
Holzschnitte mit Darstellungen von Kabuki-Schauspielern in ihren berühmten Rollen.
Sie fungierten als Theaterporträts und visuelle Werbung für die Schauspieler.