Beschreibung
Johann Baptist Homann – Karte von London (1740)
Originale historische Karte
Titel: Accurater Prospect und Grundris der Königl. Gros-Britanisch. Haupt- und Residentz-Stadt London.
Autor: Homann, Johann Baptista, 1663–1724.
Veröffentlicht: [Nürnberg : s.n., 1740?].
Material: handkolorierter Kupferstich.
Format: 490 x 580 mm.
Beschreibung: es handelt sich um einen detaillierten Stadtplan und zugleich eine perspektivische Ansicht Londons aus der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts, geschaffen von einem der bedeutendsten europäischen Kartografen seiner Zeit. Das Kartenfeld zeigt die entlang der Themse entwickelte Stadt London, wobei der Fluss als zentrale kompositorische Achse sowie als entscheidender Verkehrs- und Handelskorridor dargestellt ist.
Der Plan verbindet die Grundrissdarstellung des Straßennetzes mit einer reichen bildlichen Ausschmückung. Stadtviertel, Brücken, Hafenanlagen und Hauptverkehrswege sind deutlich hervorgehoben. Bedeutende Teile der Stadt werden durch kolorierte Flächen unterschieden, was die Orientierung innerhalb der dichten Bebauung erleichtert. Die Karte zeigt den für die Nürnberger Werkstatt Johann Baptist Homanns typischen Anspruch auf Genauigkeit und repräsentative Wirkung.
Zum Blatt gehören außerdem eigenständige Veduten und architektonische Ansichten, darunter Darstellungen von Whitehall und der Londoner Börse, die die politische und wirtschaftliche Bedeutung der Stadt hervorheben. Der untere Teil des Blattes wird durch eine weitläufige Panoramaansicht Londons ergänzt, mit der markanten Silhouette von Kirchen, Brücken und dem regen Schiffsverkehr auf der Themse.
Die Karte entstand in einer Zeit, als sich London als eine der führenden Metropolen Europas und als Zentrum des Welthandels etablierte. Das Werk ist daher nicht nur ein kartografisches Dokument, sondern auch ein visuelles Zeugnis des städtebaulichen Wachstums und des Selbstbewusstseins der britischen Hauptstadt im 18. Jahrhundert. Dieser Typ von Stadtplan zeigt, wie historische Karten zur Repräsentation von Metropolen als Zentren von Macht, Handel und Kultur genutzt wurden.
Als hochwertige Sammlereditionen historischer Karten dokumentieren solche Werke die Entwicklung europäischer Stadtplanung und urbaner Kartografie der frühen Neuzeit.
Text: © AtelierEdition.
Bildquelle: © LOC, Washington.
Kartografische Begriffe
Atlas
Eine Sammlung von Karten, die als zusammenhängendes Werk in Buchform veröffentlicht wurde. In der frühen Neuzeit stellte sie eine Synthese des geografischen Wissens ihrer Zeit dar.
Chorografische Karte
Eine Karte, die ein konkretes Gebiet mit Schwerpunkt auf Ortsnamen und regionaler Gliederung darstellt. Sie steht zwischen der topografischen und der allgemeinen geografischen Karte.
Geografische Projektion
Die Methode zur Übertragung der kugelförmigen Erdoberfläche auf eine ebene Karte. Jede Projektion verzerrt bestimmte Eigenschaften wie Fläche, Entfernung oder Winkel.
Kartusche
Ein dekorativer Rahmen, der den Titel der Karte, den Autor, das Datum oder eine Widmung enthält. Ein bedeutendes Gestaltungselement alter Karten, oft reich verziert.
Mappa mundi
Mittelalterliche schematische Weltkarten, die geografische Darstellung mit religiöser Deutung verbinden. Sie streben keine Genauigkeit an, sondern eine symbolische und kosmologische Darstellung der Welt.
Kupferstich
Eine grafische Technik, bei der das Bild in eine Kupferplatte graviert wird. Sie ermöglicht feine Linienführung und Detailreichtum, typisch für alte kartografische Blätter.
Parerg
Ein ergänzendes dekoratives oder informatives Element einer Karte, etwa eine Nebenkarte, ein Maßstab oder erklärende Legenden. Es ergänzt das Hauptkartenfeld und erweitert dessen Aussage.
Lageplan (Polohopis)
Die Darstellung horizontaler Elemente der Landschaft – Siedlungen, Flüsse, Wege und Grenzen. Eine grundlegende Komponente der kartografischen Beschreibung eines Gebiets.
Portolan
Ein früher Typ von Seekarte mit dichtem Netz von Kurslinien. Diente der Navigation im Mittelmeerraum und entlang der europäischen Küsten.
Revers
Die Rückseite eines Kartenblattes. Bei alten Karten enthält sie häufig einen beschreibenden Text über die dargestellte Region, meist in Latein oder einer Volkssprache.
Stich (Rytina)
Sammelbezeichnung für grafische Techniken, die auf dem Gravieren in eine Druckplatte basieren. Grundlegende Drucktechnik der Kartografie vor der Einführung der Lithografie.
Topografische Karte
Eine Karte, die Gelände, Siedlungen und natürliche Elemente detailliert darstellt. Sie gilt als Vorläufer moderner Karten mit Fokus auf Genauigkeit und Maßstab.
Vedute
Eine detaillierte Ansicht einer Stadt oder Landschaft, häufig aus der Vogelperspektive. Sie steht an der Schnittstelle zwischen Kartografie und bildender Kunst.
Höhenrelief (Výškopis)
Die Darstellung vertikaler Geländeformen – Berge, Täler und Relief. In der historischen Kartografie oft schematisch oder symbolisch ausgeführt.
Geografisches Gradnetz
Ein System aus Breiten- und Längengraden zur Orientierung auf der Karte. Es wurde mit dem Fortschritt von Astronomie und Mathematik zunehmend präzisiert.