Beschreibung
William Berry – Mittelmeerkarte (1685)
Originale historische Karte
Titel: Mediterranean Sea divided into its Principall parts or seas.
Autor: Berry, William, tätig 1669–1708.
Veröffentlicht: London, 1685.
Material: Karte, handkolorierter Kupferstich, Papier.
Format: 520 x 850 mm.
Beschreibung: diese Karte des Mittelmeerraums aus dem Jahr 1685 gehört zu den bedeutenden kartografischen Werken der englischen Kartenproduktion des späten 17. Jahrhunderts. Sie zeigt jene Region, die über Jahrhunderte eines der wichtigsten Zentren für Handel, Schifffahrt und kulturellen Austausch zwischen Europa, Asien und Nordafrika war. William Berry orientierte sich dabei an der französischen Kartografietradition von Nicolas Sanson und übertrug deren geografische Prinzipien in das englische Verlagswesen seiner Zeit.
Das Kartenbild umfasst das gesamte Mittelmeer vom Iberischen Raum bis zur Levante und den östlichen Gebieten des Osmanischen Reiches. Küstenlinien, Inseln, Häfen, bedeutende Städte und wichtige Handelsrouten sind detailliert dargestellt. Die kartografische Ausführung legt großen Wert auf Übersichtlichkeit und Orientierung, was der praktischen Bedeutung des Mittelmeers für die europäische Schifffahrt und den Handel der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts entsprach.
Die einzelnen Meeresabschnitte sind mit traditionellen geografischen Bezeichnungen versehen, die die zeitgenössische Gliederung des Mittelmeerraums widerspiegeln. Gleichzeitig dokumentiert die Karte das europäische Verständnis der politischen Ordnung dieser Region in einer Zeit des Wettbewerbs zwischen England, Frankreich, Venedig und dem Osmanischen Reich.
Dekorative Kartuschen und die feine Handkolorierung unterstreichen den repräsentativen Charakter des Werkes, der typisch für die barocke Kartografie war. Die Karte war nicht nur für praktische Zwecke bestimmt, sondern auch als Sammler- und Repräsentationsobjekt für Gelehrte, Kaufleute und aristokratische Sammlungen gedacht.
Das Werk stellt eine wertvolle historische Quelle zur Erforschung der frühneuzeitlichen Kartografie und der Geschichte der Seefahrt dar und gehört zu den begehrten Exemplaren im Rahmen des fachlichen und sammlerischen Interesses an historischen Karten.
Als hochwertige Sammlereditionen historischer Karten dokumentieren solche Werke die Entwicklung europäischer Kartografie und maritimer Handelsräume der frühen Neuzeit.
Text: © AtelierEdition.
Bildquelle: © LOC, Washington.
Kartografische Begriffe
Atlas
Eine Sammlung von Karten, die als zusammenhängendes Werk in Buchform veröffentlicht wurde. In der frühen Neuzeit stellte sie eine Synthese des geografischen Wissens ihrer Zeit dar.
Chorografische Karte
Eine Karte, die ein konkretes Gebiet mit Schwerpunkt auf Ortsnamen und regionaler Gliederung darstellt. Sie steht zwischen der topografischen und der allgemeinen geografischen Karte.
Geografische Projektion
Die Methode zur Übertragung der kugelförmigen Erdoberfläche auf eine ebene Karte. Jede Projektion verzerrt bestimmte Eigenschaften wie Fläche, Entfernung oder Winkel.
Kartusche
Ein dekorativer Rahmen, der den Titel der Karte, den Autor, das Datum oder eine Widmung enthält. Ein bedeutendes Gestaltungselement alter Karten, oft reich verziert.
Mappa mundi
Mittelalterliche schematische Weltkarten, die geografische Darstellung mit religiöser Deutung verbinden. Sie streben keine Genauigkeit an, sondern eine symbolische und kosmologische Darstellung der Welt.
Kupferstich
Eine grafische Technik, bei der das Bild in eine Kupferplatte graviert wird. Sie ermöglicht feine Linienführung und Detailreichtum, typisch für alte kartografische Blätter.
Parerg
Ein ergänzendes dekoratives oder informatives Element einer Karte, etwa eine Nebenkarte, ein Maßstab oder erklärende Legenden. Es ergänzt das Hauptkartenfeld und erweitert dessen Aussage.
Lageplan (Polohopis)
Die Darstellung horizontaler Elemente der Landschaft – Siedlungen, Flüsse, Wege und Grenzen. Eine grundlegende Komponente der kartografischen Beschreibung eines Gebiets.
Portolan
Ein früher Typ von Seekarte mit dichtem Netz von Kurslinien. Diente der Navigation im Mittelmeerraum und entlang der europäischen Küsten.
Revers
Die Rückseite eines Kartenblattes. Bei alten Karten enthält sie häufig einen beschreibenden Text über die dargestellte Region, meist in Latein oder einer Volkssprache.
Stich (Rytina)
Sammelbezeichnung für grafische Techniken, die auf dem Gravieren in eine Druckplatte basieren. Grundlegende Drucktechnik der Kartografie vor der Einführung der Lithografie.
Topografische Karte
Eine Karte, die Gelände, Siedlungen und natürliche Elemente detailliert darstellt. Sie gilt als Vorläufer moderner Karten mit Fokus auf Genauigkeit und Maßstab.
Vedute
Eine detaillierte Ansicht einer Stadt oder Landschaft, häufig aus der Vogelperspektive. Sie steht an der Schnittstelle zwischen Kartografie und bildender Kunst.
Höhenrelief (Výškopis)
Die Darstellung vertikaler Geländeformen – Berge, Täler und Relief. In der historischen Kartografie oft schematisch oder symbolisch ausgeführt.
Geografisches Gradnetz
Ein System aus Breiten- und Längengraden zur Orientierung auf der Karte. Es wurde mit dem Fortschritt von Astronomie und Mathematik zunehmend präzisiert.